Verfasst von: juliagoesweltwaerts | August 21, 2010

Die Kunst des Fazits

Ich bin nun also wieder in Berlin. Körperlich jedenfalls irgendwie. Geistig bin ich stecken geblieben, vielleicht im Flugzeug über Afghanistan.

Es ist merkwürdig, „Zuhause“ zu sein. Weil „Zuhause“ eigentlich ein vertrauter Ort, den man kennt. Doch genauso, wie alles alt bekannt erscheint –mein Kleiderschrank, der Kühlschrank mit entsprechendem Inhalt, S-Bahnfahren- ist alles gleichzeitig neu und merkwürdig.

Hier hat sich kaum etwas verändert, doch ich hab mich verändert, mein Blickwinkel wirft auf all die Dinge hier ein neues Licht, in dem sie anders erscheinen und die ich mir erst einmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen muss.

Meine letzten Wochen in Viet Nam, in Viet Tri und Ha Noi, habe ich damit verbracht, dass ich mich mit meinen Freunden getroffen habe, Besorgungen erledigt habe, quer durch die Stadt zum Essen eingeladen war und wieder und wieder die letzten Tage mit meinen Freunden verbracht habe. Ich hab Thoa und ihr Baby (ja! Es hat sich extra für mich beeilt, ist gesund und natürlich das süßeste Baby der Welt) besucht, hab mit dem betrunkenen Mr. Tinh zu Mittag gegessen, hab dessen Heim besucht, hab für meine Schülerinnen Kartoffelsalat gemacht (lecker, aber so fett), hatte zahlreiche Abschiedsfeiern und wurde zu guter letzt, wie es sich gehört, von meinem Freund auf dem Motorrad zum Flughafen gefahren, wo mich meine beste Freundin tränenreich verabschiedet hat.

Ich musste unzählige Male versprechen, wiederzukommen (was ich auch fest vorhabe), hab mit Tiep, meinem Schüler geklärt, dass er gesund wird (er hat das Geld, ich sein Versprechen).

Und nach all dem sitze ich in meinem Zimmer, betrachte die Fotos, meinen Reishut und meine Abschiedsgeschenke und kann es nicht fassen, wie schnell ein Jahr vergeht und wie schnell ein so wichtiger Teil des Lebens zu Fotos werden können, die man herumreicht und erfolglos versucht den Hiergebliebenen zu erklären.

Im Moment fühl ich mich vietnamesischer als ich mich deutsch fühle, was bestimmt objektiv betrachtet der totale Schwachsinn ist, doch es fällt mir schwer, mich mit den unglücklich und schlechtgelaunten ausschauenden Massen zu identifizieren.

Was mir oder bzw. uns, Milli und Sissi genauso, mit als erstes aufgefallen ist: Deutsche gehen sowohl in die Höhe als auch in die Breite, wirken gehetzt und allein. Die meisten scheinen ihren Weg wohin auch immer allein zu bestreiten, wobei zwischen ihnen und den anderen, die allein unterwegs sind, eine Wand besteht. Selbst wenn man in Viet Nam allein unterwegs war, war man es nicht, weil es immer fremde Leute gab, mit denen man sich unterhalten hat, die sich halb auf deinen Schoß gequetscht haben, um nicht stehen zu müssen.

Es ist leise in Deutschland, kein Gehupe, kein Geschnatter, kein Kindergeschrei, kein Hähnekrähen. Und überhaupt scheint der größte Unterschied darin zu liegen, dass das Leben in Deutschland in den Häuser statt findet, in diesen großen grauen Boxen, in Viet Nam hingegen draußen, auf der Straße, wo man Tee trinkt, einkauft, rumsitzt und den den neusten Tratsch austauscht. Ein weiteres Symbol dafür ist das Motorrad in Viet Nam, das Auto in Deutschland.

Ich glaube, das, was ich gerade erlebe, nennt man Kulturschock und wahrscheinlich dauert es eine Weile, bis ich nicht mehr bei Dingen wie einem Ofen, trinkbarem Leitungswasser, Bügeleisen und Stille schockiert, na ja, überrascht, bin.

Eine weitere Überraschung ist aber auch, wie viel Viet Nam in Berlin steckt- vietnamesische Supermärkte, Restaurants, die Botschaft habe ich schon von weitem begrüßt. Und ab Oktober steht dann auch wieder mehr vietnamesisch auf dem Programm, wenn ich an der HU mein Studium der „Regionalstudien Asien& Afrika“ beginne.

Bis dahin mach ich mich auf die Jagd nach Bun, grünem Tee und dem einfachen Glücklichsein, ohne sich ständig zu beschweren, um die Zeit zu überbrücken, bis ich wieder in Ha Noi mit dem Flugzeug aufsetze und sagen kann „Xin chào, Viet Nam“.

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Juli 17, 2010

Reisetagebuch

1. Tag Ha Noi-Vinh, 260km: Auf gehts!

Heute ist es endlich so weit, es geht los auf die große, auf die letzte Reise. Mein Wecker klingelt, es ist sieben Uhr morgens. Höchste Zeit aufzubrechen. Nur leider schläft Christoph noch. Und schläft und schläft und… wacht dann um halb neun endlich auf, hinter der Tür seines verschlossenen Zimmers.

Anziehen, Frühstücken, Sachen aufladen. Und gegen zehn kommen wir mit ein paar Stunden Verspätung dann doch noch los. Weil 260 km vor uns liegen, die ersten 260km von ca. 2000 bis Ho Chi Minh City (HCMC, auch bekannt als Saigon), bin ich angespannt und dass es draußen regnet hebt die Fahrlaune nicht gerade.

Doch als wir zu zweit plus Gepäck unbeschadet auf Christophs Minsk am Motorbikeladen ankommen, hat es schon aufgehört. Ich bekomme mein Motorbike (das eigentlich ein Motorroller ist, da aber in Vietnam nur das Wort Motorbike existiert, nenn ich meine geliebte Honda Future Neo auch so), die Satteltasche, lade meine Sachen um, fahre eine Proberunde. Jetzt koennten wir eigentlich los. Wenn nicht schon wieder Mittagszeit waere und mein Magen knurren würde. Also noch kurz Treibstoff fuer mich, dann Treibstoff fuers Motorbike an der nächsten Tankstelle und los geht es- nächster Halt Ninh Binh, 93 km südlich von Ha Noi.

Ca 3 Stunden und Ha Noier Stadtverkehr plus das erste Stück Autobahn hinter uns, stoßen wir mit geeistem grünen Tee an. Die Sonne leistet uns jetzt Gesellschaft, der Fahrtwind weht zum Glück die Wärme weg.

Nach insgesamt acht Stunden Fahrt kommen wir in unserem ersten Nachtquartier, Vinh, an. Und wir lernen, was es heißt, ein Hotel zu suchen. Zu teuer, schon voll, zu teuer, schon voll… bis wir endlich auf ein Hotel stoßen, das noch ein Zimmer frei hat. Wir sind total fertig, wollen uns eigentlich nicht mehr bewegen, aber essen muss dann doch noch sein.

Und Fußballschauen. Die Achtelfinale beginnen, das koennen wir nicht verpassen! Okay, das Spiel um 1:30 Uhr nachts vielleicht… aber zumindest um 9 fiebern wir mit Korea mit, die leider verlieren…

Ab ins Bett, morgen muessen wir noch laenger fahren.

 

2. Tag Vinh-Hue, 300km: Scheiß Busse…

Am Morgen bestaetigt sich das Bild, das wir am Abend zuvor schon von Vinh bekommen haben- echt nicht besonders spannend oder schoen, trotz des kleinen Strandes. Unser Ziel heute ist Hue, die alte Kaiserstadt. Bis dahin sind es aber noch 300km.

Die Strecke unterscheidet sich nicht viel von gestern: Graue Straße, die durch Reisfelder, dann Dörfer, dann wieder Reisfelder, dann wieder Dörfer und so weiter führt. Von Christoph seh ich an diesem Tag nicht viel. Zwar bin ich mit meiner Honda auf geraden Strecken schneller als Christophs Minsk, doch Christoph fährt mit sehr viel Selbstbewusstsein, wenn es an Überholmanöver geht. Hat ja auch schon etwas mehr Übung als ich. Deswegen arbeitet er sich regelmäßig einen Vorsprung heraus, den er in der nächst größeren Stadt abarbeitet, in dem er im Standgas vor sich hinfährt, um auf mich zu warten.

Ich mach mir um ihn keine großen Gedanken, ich hab genug mit den Bussen zu tun. Die fahren wie die Irren, es ist unglaublich. Ich meine ist ja schön, dass sie sich andauernd gegenseitig überholen müssen, aber wenn plötzlich so ein Riesending voll auf dich zusteuert, weil es die gesamte gegenüberliegende Fahrbahn für das Manöver benötigt, kann man sich schon erschrecken. Es wird noch lustiger, wenn sie das nicht machen, weil sie überholen wollen, sondern nur aus Spaß an der Freude. Schnelle Schlenker auf den Standstreifen sind überlebensnotwendig.

Und dann passiert es. Noch 80km bis Hue, nicht mehr weit, ich fahre vor mich hin, Christoph natürlich außer Sicht, ein Bus halb neben, halb vor mir. Auf einmal zieht er rüber. Natürlich ohne in den Rückspiegel zu schauen, ohne zu blinken, ohne zu hupen. Und schon lieg ich nach einer Vollbremsung im Kies, das Motorbike auf mir. Ich hoere Leute rufen, ein paar Vietnamesen vom Restaurant vom Straßenrand kommen, um mir zu helfen. Sie heben das Motorbike hoch und ich höre nur „tay, tay, tay, tay!“- sie koenen es wirklich nie lassen…

Aber es sei ihnen verziehen. Mein blutendes Knie und mein blutender Ellenbogen haben nämlich meine gesamte Aufmerksamkeit.

Die Vietnamesen geben mir Reiswein zum desinfizieren und eine Paste, die ich auf die Wunde schmieren soll. Au, das tut weh. Und Christoph, der irgendwo weit vor mir gefahren ist, hat da Verbandszeug.

Ich rufe ihn an. Nach dem 5. Mal geht er ans Telefon und seufzt, als er wegen mir 10 Minuten zurück fahren muss. Wir wickeln mein Knie ein, das schon fast wieder aufgehört hat zu bluten, aber Schmerzwellen in alle Winkel meines Körpers aussendet. Wir setzen uns aufs Motorbike, die letzten 2 Stunden müssen wir noch schaffen.

Ein paar Minuten später kommen wir an der Grenze zu Südvietnam vorbei, eine überdimensionale vietnamesische Fahne, die im Wind weht, zeigt den Übergang an.

Es wird dunkel. Mist, ich mag es nicht, im Dunkeln zu fahren, weil nicht alle Motorbikes Licht anhaben und man bei zwei Lichtern nie weiß, ob das ein Bus ist oder zwei Motorbikes, die nebeneinander fahren und Straßenbeleuchtung gibt es hier nicht wirklich.

Doch wir schaffen es. Nach zehn Stunden Fahrt und jeglicher Kräfte beraubt, falle ich ins Hotelbett und schaff es noch, mich für Deutschland zu freuen, die gerade mit 4:1 gegen England gewinnen und die Glückusnch-SMS zu beantworten. Christophs letzte Orte vor dem Einschlafen: Morgen wird dir dein Knie erst richtig weh tun.

3. Tag Hue: Im Bett

Er hat Recht. Als ich aufstehen will, fall ich gleich wieder zurück ins Bett. Mein Knie ist riesig, blutet zwar nicht mehr, ist dafür aber von einer schönen Schicht Eiter bedeckt. An diesem Tag seh ich nicht mehr als einen Arzt, der mir bescheinigt, dass ich einfach einen Tag im Bett bleiben soll und es morgen dann schon besser sein würde.

Also bleibe ich im Bett. Aus unserem geplanten einen Tag in Hue müssen wohl zwei werden.

4. Tag Hue: Hue

Heute geht es tatsächlich schon besser. Kniebeugen sind noch nicht möglich, aber laufen geht schon wieder ganz gut. Also machen wir uns auf Entdeckungstour durch Hue. Wir besuchen den alten Kaiserpalast, fahren ein bisschen in der Stadt rum und schließlich zu den Kaisergräbern. Da wir mit eigenem Motorbike unterwegs sind, können wir am ersten touristenüberschwemmten Grab vorbeifahren und machen bei den mehr verfallenen, dafür aber auch verlassenen und in wunderchöner Berglandschaft liegenden Gräbern Halt. Christoph klettert auf eines, macht Fotos für mich, weil Klettern noch nicht wieder zu meinen Fähigkeiten gehört und dann machen wir uns auf den Rückweg, auf dem wir noch ein bisschen durch die Stadt Kurven, die mir wirklich gut gefällt. Ruhig, nicht zu touristisch, mit Wiesen zum Ausruhen, ein Hauch Geschichte überall gegenwärtig.

Das einzig Blöde ist, dass es hier die Ha Noier Essenspezialitäten nicht mehr gibt und die aus Hue uns nicht wirklich gut schmecken… dafuer leisten wir uns eine Pizza.

5. Tag Hue- Hoi An, 160km: Über den Wolken

Am nächsten Morgen besteigen wir wieder unsere Motorbikes, heute geht es auf die Etappe, auf die ich mich im Voraus am meisten gefreut habe, denn keine deutsche Reportage über Vietnam ohne den Wolkenpass. Die Straße zwichen Hue und Da Nang, dann Hoi An, windet sich an einem Berg, der sich wiederum ans Meer schmiegt, der Übergang wird von goldenem Sandstrand gebildet. Wir fahren heute ziemlich langsam, weil erstens hinter jeder Kurve den Berg hoch ein Bus auf deiner Spur lauern kann und zweitens, um die Landschaft und den Ausblick genießen zu können. Der Wolkenpass heißt Wolkenpass, weil er oft in Wolken gehüllt ist, an diesem Tag zum Glück nicht und weil er die Wettergrenze zwischen subtropischem und tropischem Klima bildet. Doch im Sommer ist es überall einfach nur warm…

In Da Nang suchen wir uns auf dem Markt Mittagessen und unterhalten uns mit einer Frau, bei der wir grünen Tee trinken. Und bekommen jetzt mit, wie weit im Süden wir schon ind. Die Sprache… Es ist als wenn ein Deutschschüler nach Bayern kommen würde. Man versteht nichts mehr… Bzw. werden wir noch verstanden, nur leider kann ich mit den Antworten auf meine Fragen nichts mehr anfangen.

Den Weg nach Hoi An finden wir trotzdem, weil sich ein Vietnamese anbietet, vorzufahren, weil er eh nach Hoi An muss. Schließlich erkenne ich die Straßen wieder, weil ich im Feburar schon hier war.

Die Hotelsuche… macht uns ziemlich wütend. Denn die Hotels sind teuer und in die „nha nghi“s, die billigeren Gästehäuser, die billig sind, weil sie auch stundenweise vermietet werden, lassen keine Westler rein. Der nha nghi Besitzer erklärt uns, dass er sonst Ärger mit der Polizei kriegt. Ahja… schon klar, die Weißen haben wegen ihrer Hautfarbe viel Geld und dürfen nicht in die billigeren Etablissements… Wir finden dann doch noch ein günstiges Hotelzimmer und erfahren später, dass viele nha nghis einfach die teure Lizenz nicht besitzen, die man braucht um Ausländer beherbergen zu dürfen. Nur in nicht Touristenstädten kümmern sich die meisten nha nghis und die Polizei nicht darum. Aber Hoi An ist eben die Touristenstadt schlecht hin.

6. Tag Hoi An: Immer diese Touris

Es nervt. Die Touristen, die zu viel Geld mitbringen und wegen denen dann alle Weißen abgezogen werden… ich schlafe erstmal den Vormittag durch, Nachmittag und Abend treffen wir uns mit den zwei dänischen Freiwilligen, die auch in Viet Tri arbeiten und auch gerade in Hoi An sind, ein schöner Abend mit bekannten Gesichtern außer Christoph ist nicht schlecht, wenn mensch 24 h am Tag aufeinander hockt.

7. Tag Hoi An- Quy Nhon, 250km: Wir wollen doch nur schlafen…

250km, wir fahren früh los, wir wollten es im Hellen schaffen. Wirr kommen auch tatsächlich noch im Hellen an doch wir brauchen ganze 3 Stunden um ein Hotelzimmer zu finden. Eigentlich wollten wir in unseren Hängematten am Strand schlafen, doch der einzige Zugang zum nahen Strand ist abgeriegelt. Also auf der Suche nach einem günstigen Schlafplatz. Doch die Stadt ist voll. Jedes Hotel hat keine Zimmer mehr, weil die Studenten gerade ihre Sommerferien begonnen haben und zur Feier der überstandenen Examen ans Meer fahren. Man kann es ihnen nicht verübeln, Quy Nhon ist eine schöne Stadt, doch leider wird sie mir verleidet, weil ich seit dem Frühstück nicht gegessen habe und müde bin. Schließlich beschließen wir, ein Stück aus der Stadt raus zu fahren und im nächsten Ort zu suchen. An der Stadtgrenze finden wir dann doch noch ein nha nghi, wo wir gleich zum Trinken und Fußballschauen eingeladen werden. Aber wir sind zu müde, kriegen noch mit, dass Brasilien tatsächlich gegen die Niederlande verliert und schon bin ich weggetreten

8. Tag Quy Nhon- Nha Trang, 200km: Diese Berge, dieses Meer…

Das gute an diesem Tag ist, dass wir schon morgens wissen, dass wir abends ein Hotelzimmer haben werden. Die Mutter einer Schülerin von Christoph und mir besitzt in Nha Trang ein Hotel, Zimmer für uns schon reserviert. Auch der Weg nach Nha Trang, DAS Reiseziel für vietnamesische Touristen, weil Nha Trang den schönsten Strand Vietnams haben soll, ist wunderbar. Sanfte Berge, das türkisblaue Meer, kleine Fischerdörfer, deren Boote im Meer fröhliche Farbflecken bilden. Eine schneeweiße Kirche und weite Wälder. Die Augen haben ein bisschen mehr zu sehen al nur graue Straße.

Wir kommen an die Kreuzung, an der der Abzweig nach Nah Trang ist. Ein Schild zeigt die Kilometerzahl nach Ha Noi, die wir schon geschafft haben, eine andere Kilometerzahl die nach HCMC, die wir noch vor uns haben. Genau da bleibt die Minsk auf einmal stehen. Das erste Mal seit Ha Noi, dass sie nicht mehr will. Doch 20 Minuten später hat Christoph das Problem behoben und wir fahren, was ich da noch nicht weiß, meine letzten Kilometer.

Mai, unsere Schülerin, begrüßt uns freudestrahlend und überschüttet uns mit Plänen, was wir doch alle machen können. Blöd nur, dass Christoph und ich eigentlich nur schlafen wollen…

9. Tag Nha Trang: Und wieder im Bett

Nicht nur wollen, sondern auch müssen. Christoph und mich hat es erwischt- nur mich etwas mehr als ihn. Während er sich mit Kopfschmerzen und Müdigkeit plagt, liege ich mit Fieber im Bett. Super… Ein Glück haben wir im Zimmer einen Fernseher mit Kabelanschluss und englischen Programmen.

10. Tag Nha Trang: Immer noch im Bett

Das Fieber ist weg, dafür spielt mein Magen verrückt. Und Deutschland, die 4 Tore gegen Argentinien schießen, auch. Ich bekomme wieder zahlreiche Glückwunsch-SMS von Vietnamesen, die ich nicht kenne oder schon lange nicht mehr gesehen habe. Ansonsten schlaf ich und es macht sich die Gewissheit breit, dass das in den nächsten Tagen mit den verbleibenden 450km Motorradfahren nichts wird, ich aber in einer Woche schon wieder in Ha Noi sein muss und ich HCMC auf keinen Fall verpassen will.

11. Tag Nha Trang : Schwere Entscheidung

Deswegen macht sich Christoph am nächsten Tag allein auf den Weg in die Berge. Ich verlagere meinen Schlafplatz dann tatsächlich auch einmal an den Strand, der gar nicht so überwältigend ist, jedenfalls verläuft die große, stark befahrene Straße gleich daran entlang. Abends lade ich mein Motorrad und mich selbst auf den Zug. Mais Mutter kümmert sich die ganze Zeit rührend um mich, trägt meine Tasche, wartet auf den verspäteten Zug mit mir. Und sie spricht Nordvietnamesisch, so dass ich mich wieder verständigen kann.

 

12. Tag  Ho Chi Minh City: Endlich!

Morgens um 7. Natürlich komm ich auf dem Weg von der Bahnstation zum Hotel genau in den Berufsverkehr. Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, doch die Leute fahren hier noch verrückter als in Ha Noi… Doch ich komm ganz unbeschadet an, finde sogar relativ schnell einen Schlafplatz und nutze den dann auch gleich.

Nachmittags mache ich mich auf eine erste Entdeckungstour zu den Touristenpunkten in der Nähe- die französischen Markthallen, der Unabhängigkeitspalast, die Kirche Notre Dame. HCMC will mir nicht recht gefallen. Es fühlt sich an wie Viet Nam light, wie ein westliches Ha Noi, irgendwie unecht. Und außerdem nerven die Sonnebrillenverkäufer unglaublich…

Und dann verliert Deutschland auch noch gegen Spanien. Und dafür bin ich nachts um 1 aufgestanden…

13. Tag HCMC: Auf der Jagd nach dem Zugticket

Wieder zum Bahnhof, um mir das Rückfahrticket nach Ha Noi zu kaufen. 1 ½ Tage im Zug, das wollte ich schon machen seit ich in Vietnam bin. Dafür nehme ich auch gern die zwei Stunden Wartezeit in Kauf. Nur leider erklärt mir die nette Dame hinter dem Schalter, dass es bis Mitte nächster Woche keine Fahrkarten mehr gibt. Sonntag muss ich in Ha Noi sein, um das gemietete Motorrad zurückzugeben und Dienstag geht meine Arbeit wieder los.

Das heißt dann wohl fliegen… Mist. Aber wenn es nicht anders geht, geht es nicht anders…

 

14. Tag HCMC: Besuch im Peace House

In der Nacht ist Christoph auch wieder zu mir gestoßen, ziemlich durchnässt von seinem Ausflug in die Berge.

Zusammen machen wir uns zur Mittagszeit auf zum Peace House Saigon, zur Zweigstelle von VPV im Süden. Wir kriegen ein Mittagessen umsonst und einen Schlafplatz für die kommende Nacht angeboten. Super, und das noch in einem echt sauberen Haus, wie wir es vom VPV im Norden nicht gewöhnt sind.

Wir machen uns auf den Weg ins Kriegsmuseum, in der der Vietnamkrieg, der hier der „Amerikansiche Krieg“ heißt, aufgearbeitet wird. Natürlich ausschließlich von Viet Congseite.

Doch der Einsatz von Agent Orange, die Folter von gefangen genommen Soldaten, Massaker in kleinen Dörfern sind nicht erfunden, sondern Fakt und die Dokumentation dessen durch zahlreiche Fotos und ein konserviertes entstelltes Embryo im Glas hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Doch die Vietnamesen wären nicht Vietnamesen, wenn sie nicht draußen für zahlreiche Fotos vor den amerikanischen Panzern breit lächelnd posen würden.

15. Tag HCMC: Ein Stück Ha Noi

Nachdem wir irgendwie unser ganzes Gepäck plus uns beide auf die Minsk geladen haben, machen wir uns auf den Weg zum Peace House. Als wir nach einer kleinen Irrfahrt ankommen, ist die Tür verschlossen. Wir rufen an. Und kriegen gesagt, dass das alles gestern ein Missverständis war, wir hier nicht schlafen können. Den Ärger runtergeschluckt machen wir uns mal wieder und zum letzten Mal auf die Suche nach einem Zimmer und finden ein kleines Hotel in einer, wie wir später feststellen, echt schönen Gegend. Hier sieht es genauso aus wie in Ha Noi! Wir fühlen uns wohl. Dass wir dann aber doch im offeneren Süden sind, merken wir, als wir an einem Laden vorbeikommen, der nur Kondome verkauft. Wie ist das möglich? Im Norden gibt es die nur in der Apotheke, darüber mit meinen Schülerinnen beim Aufklärungsunterricht zu sprechen war schon hart und hier einfach so mitten auf der Straße.

Wir trinken Milk tea, genießen, dass wir mal wieder die einzigen Westler sind und trinken abends im Hotel mit dem Besitzer noch einen Reiswein.

16. Tag HCMC: Was, das war´s schon?

Am nächsten Morgen nach einer Schüssel Bun fährt mich Christoph zum Flughafen und nachmittags bin ich schon in Ha Noi. Mein Motorrad, das ich zwei Tage vorher auf den Zug verladen habe, wird morgen ankommen.

Ich genieße es sehr, mich wieder auszukennen und wieder Ha Noier Essen essen zu können. Xoi, Bun  dau, ah ist das gut. Leute treffen, die man kennt.

Am nächsten Tag hole ich da Motorrad ab, bringe es zum Ausleiher zurück, spaziere ein paar Mal um den Hoan Kieme See.

Besser wird es nur, als ich wieder in Viet Tri bin, wo ich gleich damit beschäftigt bin, meine Freunde, die ich schon vermisst habe, wieder zu treffen und meinen letzten Monat hier würdig zu beginnen…

Abends gehe ich mit Lina ein Bier trinken, wo wir gleich wieder neue Leute kennen lernen, die uns zum Wespenessen einladen. Ja, ich weiß, ich bin Vegetarierin, aber… Die Wespen musste ich zumindest mal probieren. Und sie haben gut geschmeckt. Wirklich!

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Juni 19, 2010

Szenen

  • Christoph, Lina und ich liegen auf der Matratze auf dem Fußboden. Schon den ganzen Tag. Wir starren an die Decke auf den sich nicht bewegenden Ventilator. Wir wiederholen regelmäßig „Kein Strom“, „Kein Strom“, „Kein Strom“. Wahlweise auch „mir ist soooo heiß, ich will nicht mehr“.

 

  • Was ist die Steigerung von noisy?- hanoisy
  • Was ist die Steigerung von annoying? Hanoing

 

  • In den Vororten von Ha Noi. Wir sind bei Christophs Freunden aus der Motorradwerkstatt, kommen gerad von einer Fahrstunde in Sachen Gangschaltung zurück. Müssen nur noch über eine der von Millionen befahrenen Hauptstrassen Ha Nois. Da halten zwei Taxis neben uns. 10 maskierte Männer mit Schwertern brechen aus den Autos aus, rennen mitten zur Rush Hour über die Strasse in das kleine Cafe gegenüber. Einige Sekunden später zwängen sie sich wieder in die Taxis, die neben uns warten, reißen sich die Masken vom Gesicht. Einer lächelt uns winkend zu. Die Schwerter sind rot. Eine Überquerung der Straße später wird ein Mann aus dem Cafe getragen. Eine rote Flüssigkeit bedeckt seinen Körper. Ein Schlitz vorne im T-Shirt, auf der selben Höhe einer hinten. Er wird zwischen zwei Freunde aufs Motorrad gesetzt. Noch ist er bei Bewusstsein.

 

  • Sommer in Viet Nam ist, wenn der Strom alle 3, 4 Tage abgestellt wird, weil es nicht genug Strom fuer alle Ventialoren im Land gibt. Sommer in Viet Nam ist, wenn du dich im Badezimmer nie alleine fühlat: Frösche, Fliegen, Mücken, Spinnen, Schnecken, Kakerlaken. Sommer in Viet Nam ist, wenn du mit Duschen fertig bist und denkst: Hey, ich bin immer noch nass. Ach nee, da ist Schweiß. Sommer in Viet Nam ist, wenn der Mittagsschlaf von bis 13.30 auf 15 uhr ausgedehnt wird, weil es einfach zu warm ist, etwas anderes zu tun als rumzuliegen.. Sommer in Viet Nam ist, wenn du Liter um Liter trinkst und trotzdem nie aufs Klo musst. Sommer in Viet Nam ist, wenn es plötzlich anfängt zu regnen und plötzlich wieder aufhört, plötzlich anfängt zu regnen, plötzlich wieder aufhört, plötzlich anfängt zu…

 

  • Christoph kommt fertig abends in Ha Noi an: Mein Radlager von meinem Hinterrad meiner Minsk ist gebrochen. Wir gehen tanzen, auf dem Rückweg. Knack. Johannes: Mein Radlager von meinem Hinterrad meiner Minsk ist gebrochen. Am nächsten Abend, wieder auf dem Rückweg vom Weggehen, zisch…. Vivian: Nein, mein Reifen hat ein Loch…

 

  • Um die zehn ausdruckslos schauende Menschen tragen große Koffer die Treppe in unserem Haus hoch. Das neue Workcamp ist da.

 

  • Karaokesingen fertig, auf dem Weg zum Mitternachtsimbiss. Zwei Leute im Taxi, der Rest auf dem Motorrad auf den menschenleeren Straßen. Nur leider nicht alle mit Helm. Auf einmal überholen uns Menschen in grün. Polizei. Anhalten, die Leute ohne Helm verschwinden schnell im Taxi. Der Rest unterhält sich mit der Polizei. Hand schütteln, lächeln, weiterfahren.

 

  • Eine SMS von Ngan, meiner Schülerin. Morgen wird sie 17. DU bist herzlich eingeladen zu meiner Geburtstagsparty morgen 8 a.m.

 

  • Lina, Christoph und ich unterhalten uns. Christoph: „Das tät ich schon gern können“. Lina „Du weißt schon, dass da was falsch ist oder?“ Christoph erzählt irgendwas, Lina „Das stimmt doch gar nicht!“ Das erste, was das Workcampmädchen aus Hong Kong auf Deutsch lernt, um mit Christoph zu kommunizieren: Du übertreibst! Immer auf die Großen.

 

  • Es ist echt super, wenn mensch Rechtschreibfehler in SMS von Vietnamesen afu vietnamesisch entdeckt. Oder beim Karaoke endlich vietnamesische Lieder singen kann. Oder sich mit vietnamesischen Freundne trifft, die wirklich nur vietnamesisch können.

 

  • Ich darf Thoas Bauch anfassen, da tritt mich was von drinnen.

 

  • Tim lai- hunderte Vietnamesen springen, schreien. Ich reiß Trang aus Versehen in die Höhe, weil meine Hand in ihrer ist und sie kleiner ist als ich, was ich nicht bedenke, als ich meine Hände zum Himmel hebe. Doch das ist egal. Wir singen einfach nur mit: Tim lai, di hay, tim lai, trong moi nguoi… Sissi: „Hey, hier gibts richtige Rockmusik, jetzt haben wir gar keinen Grund mehr, nach Deutschland zurückzugehen.“

 

  • Sissi und ich sitzen beim Frühstück in Ha Noi und überlegen: Wenn wir zum Nachbreitungsseminar zurückmüssen, können wir Anfang Oktober wieder zurückfliegen. Dann arbeitet Sissi in Ha Noi für 27 Dollar pro Stunde als Englischlehrerin, ich begnüge mich mit 15 in Viet Tri, sehe zu, dass ich nur vormittags arbeite, damit ich nachmittags im Büro vom SOS-Kinderdorf arbeiten kann. Dann kauf ich hier ein kleines Häuschen, in das ich dann mit Thoa einziehe, so dass ich mich in meiner Freizeit noch um ihre Tochter kümmern kann. Mein vietnamesisch wird dann natürlich perfekt und die Leugte würden sich vielleicht endlich an mich gewöhnen. Und wir könnten die Gesichter unserer Freunde genießen, wenn wir ihnen erzählen, dass wir in zwei Monaten schon wieder kommen und erstmal hier bleiben. Warum eigentlich nicht?

 

  • Nach unserer ersten Stunde für die Arbeiter in der Papierfabrik: O macht das Spaß die zu unterrichten! Die wollen sogar a lernen!

 

  • Im Bus von Ha Noi nach Viet Tri- bin wohl schonmal mit dem selben Bus gefahren, jedenfalls begrüßt mich der Fahrkartenverkäufer mit „Hello co giao!“ (= Hello teacher). Gegen Ende der Reise beginnt sich ein Fahrgast mit mir auf sehr gebrochenem Englisch zu unterhalten, er gibt sich echt Mühe. Dann fragt mich der Fahrkartenverkäufer: „Co giao da lam gi o Ha Noi?“ (Was hast du in Ha Noi gemacht?) Als ich antworte, der bemühte Fahrgast: Oi gioi, em noi duoc tieng Viet! (oh mein gott, du sprichst ja vietnamesisch).

 

  • Fussball schauen wir hier natuerlich auch, trotz Spielen um 1.30 Uhr nachts.

 

  • Ein 18-jähriger Schüler, den ich erst seit einer Woche unterrichte, aber wegen seiner wissbegierigen und herzlichen Art von Anfang mochte, erzählt mir, dass er einen Gehirntumor und voraussichtlich nur noch einige Monate zu leben hat. Naechstes Jahr wird er zur Operation nach Singapur fliegen, vorher arbeitet er 10 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, um sich den Flug und Teile der Operation, die die Verischerung nicht gezahöt, bezahlen zu koennen, und um seine Eltern zu unterstuetzen. Nach den 10 Stunden Arbeit lernt er Englisch, um sich in Singapur verstaendigen zu koennen.Ich wuerde ihm gerne ersparen, dass er durch die ganze Arbeit nich merh geschwaecht wird und vor allem, dass sich die Operation wegen Geldmangel noch bis ins naechste Jahr zieht.

Deswegen nutze ich an dieser Stelle meinen Blog zur Abwechslung mal fuer etwas vernuenftiges. Es waere grossartig, wenn ihr etwas spenden koenntet. Hin- und Rueckflug nach Singapur kosten von Ha Noi aus fuer uns „nur“ 150 Euro.

Im Durchschnitt lesen 20 Personen pro Tag meinen Blog, wenn jeder von euch nur 10 Euro dazugeben wuerde, waer der Flug schon voll bezahlt.

Wenn ihr bereit seid, zu helfen (und hier kann ich auch versprechen, dass das Geld ankommt und nicht bei irgendeinem Organisationschef in der Tasche landet), dann meldet euch bitte bei mir: jean.king(at)hotmail.de

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Mai 21, 2010

Singapur

Das erste, was Sissi, Milli und ich sehen, als wir uns mit der Bahn (!) auf den Weg in die Innenstadt machen, ist DHL. Das zweite Deutsche Bahn AG. Das dritte Plattenbauten, die mich mit den kleinen dazwischen liegenden Wiesen stark an Berlin erinnern. Was nicht besser wird, als moderne Glasbürobauten vor dem Fenster vorbei rauschen.

Was uns dann doch daran erinnert, dass wir in Singapur sind, ist das Sprachengewirr und die Warnschilder: Englisch, Chinesisch (meist Mandarin, aber Kantonesisch mischt sich auch gelegentlich unter), Malay und Tamil. Vier offizielle Sprachen für die größten ethnischen Gruppen.  Auch visuell wird der culture clash erkennbar: Saris neben Anzuegen neben Kopftuechern neben Turbanen neben Jeans neben Miniroecken neben Ho Chi Minh-T-Shirts.

In der Stadt selbst gibt es Chinatown, little India und das Viertel um die Arab Street. Zusammengehalten wird alles aber von der westlichen Welt. Singapur scheint in weiten Teilen, vor allem um den Hafen, wie eine asiatische und sauberere Version der USA.

Die polierten Fenster der Hochhaueser, an denen sich Namen wie J.P.Morgan wieder finden. Coffee Shops, Fastfoodketten, die in der Mittagspause ueberfuellt von Maennern in Anzuegen und von Frauen in Stiftrock, weisser Bluse und High Heels sind.

Das Herz der Stadt ist das Herz des Kommerzes. Auf der Orchard Road reiht sich ein Shopping Center and das naechste und alle zwei Centers wiederholen sich die Laeden, doch die Einkauefer rennen von eins ins andere, uebrall ist etwas los, ueberall wird kosnumiert.

Chanel, Topshop und Zara sind ziemliche Schocks, wenn man gerade aus Viet Nam kommt, wo mensch sich neue Kleidung entweder auf dem Markt holt oder bei der Schneiderin machen laesst…. Doch ein gutes hat das ganze auch: Es gibt Kleidung und vor allem Schuhe, die uns passen. Endlich wir mensch nicht komisch angeschaut, wenn man fragt, ob es das Paar auch in 40 gibt… Dafuer sind die Preise ordentlich. Ganz an Deutschland herangekommen sind sie nicht nicht ueberall, aber  in der Mittagspause vermiss ich dann schon mein Klebreis oder belegtes Broetchen fuer umgrechnet 20 cent.

Was in Singapur allerdings unschlagbar teuer ist, sind die Strafen. Strafen fuer so ziemlich alles-Strafe fuer Muell auf die Strass werfen (was in Vietnam das normalste der Welt ist, erstmal trainieren, das nicht zu tun), fuer Essen und Trinken in der Bahn, fuer Rauchen. Ueberall erinnern einen kleine Schilder daran, wie man sich gefaelligst zu verhalten hat. Am besten gefaell tuns das Verbot, Durians in oeffentliche Raume hineinzubringen. Welches andere Land der Welt hat schon ein offizielles Durianproblem? In Viet Nam gelten die stinkenden Fruechte sogar als Delikatesse.

Im Gegenzug ist Singapur die sauberste Stadt der Welt. Und Die Menschen sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Was sie wahrscheinlich einfach sein muessen, wenn sie jeden tag von verschiedenen Kulturen umringt sind.

Drei Attraktionen der Stadt ins ein Tempel, der zur Verehrung eines Buddhazahns dient, einen hinduistischen Tempel und eine Moschee, in der jeder interssierte Besucher herumgefuerht wird und die Anwesenden mit Fragen loechern darf. So erfahren wir, dass es seit den 60er Jahren, als Singapur unabhaengig wurde, keine Konflikte mehr zwischen ethnischen oder religioesen Gruppen gab. Es scheint das Normalste der Welt zu sein, dass sich ein Maedchen mit kurzen Hosen und eine fast komplett verschleierte Frau in der U-Bahn unterhalten und zusammen lachen. Doch groessere Gruppen sind nur selten ethnisch gemixt, meist sind Chinesen mit Chinesen unterwegs, Indern mit Indern.

An der Station Chinatown steigen vor allem die Menschen mit Mandelaugen aus, in little India die mit dunkler Haut und rotem Punkt auf der Stirn.

Dier Weissen haben wir auch schnell gefunden, als wir von der Orchard Road durch ein Villenviertel zum botanischen Garten laufen, einer der Hauptattraktionen der Stadt, der mitten in der Stadt ein Stuecken Regenwald zum Erholen bereithaelt.

Weisse Frauen, zum Grossteil entweder gut geschminkt oder sportlich gekleidet, verbringen dort miteinander den Vormittag beim Brunchen. Wahrscheinlich sind die Maenner derweilen im Buero und die Malayischen Nannies kuemmern sich um die Kinder… Als wir an einer Villa vorbeikommen, die aussieht wie das weisse Haus, komm ich mir vor, wie in einem wahr gewordenen Klischee.

Der Hoehepunkt unserer Reise ist aber chinesisch und wohnt in einem der stadtraendtlichen Plattenbauten- Ziqi. Ziqi war Freiwilliger, als wir letztes Jahr im August im Peace House ankamen und wir mit einem anderen Daenen, der Ziqi zwei Wochen vorher besucht hatte, unsere erste Bezugsperson, unser erstes freundschaftliches Verhaeltnis. Und nun waren wir in seiner Stadt und er erklaerte sich bereit, uns ein paar kulinarische Besonderheiten zu zeigen.

An einem Abend ging es in ein idisches Restaurant. Und zwar wirklich indisch, nicht der Verschnitt von der Warschauer Strasse. Mit Haenden von Bananenblattern essen und den gruenen Tee mit Milch und Zucker serviert bekommen. Die Kellner gehen durch die Tische und fuellen die Bananenblatter mit Sosse nach, die man irgendwie dazu kriegen musste, sich mit dem Reis so zu vermengen, dass sie nicht auf dem Bananenblatt oder deiner Hand bleibt.

Selten so gut gegessen. Dachte ich, bis wir am letzten Abend in einem kleinen Imbiss Platzt nahmen und Laksa assen. Laksa; Nudeln, die von ihrer Konsistenz her an Spaetzle erinnern, in Currysuppe. Unglaublich gut. Danke Malaysia fuer dieses Essen. Wenn jemand von euch ein malayischen Restaurant in Berlin kennt, bitte bescheid sagen.

Letzter Abend hiess zum zweiten Mal Abschied nehmen von Ziqi, diesmal trauriger als das erste Mal, aber, wer weiss vielleicht sehen wir uns irgendwann mal in Deutschland wieder.

Den letzten Morgen verbrachten Millia, Sisssi und ich getrennt, jede tat noch mal, was sie wollte. Ich machte mich erst auf den Weg ins National Museum of Singapore, um mein Wissen ueber dieses Land von null auf irgendetwas ueber null zu steigern und machte mich dann auf die Suche, nach einem Copyshop, um meine Visabestaetigung auszudrucken

Der tropische Regen stoerte mich im Museum noch nicht, beim durch die Strassen laufen wurde es dann ziemlich nass doch zum Glueck ist es in Singapur ganzjaehrlich fast nie kaelter als 30 Grad, so dass ich nicht Gefahr lief, mir eine Erkaeltung zu holen.

Als ich Ziqi an unserem erste Abend fragte, wie das Wetter die naechsten Tage sein wurde, antwortete er:“So wie jeden Tag im Jahr“. Ich glaube, mir wuerden die Jahreszeiten fehlen… Und die vietnamesischen StudentInnen, die es zahlreich in Singapur gibt, bekommen im Winter, wenn sie zu Tet nach Hause fahren bestimmt einen Kaelteschock und in den Sommerferien eine nette Ueberraschung von der Hitze.

Es ist gerade erst mai, trotzdem geht ohne Ventilator schon wieder gar nichts. Was wir vor allem gemerkt hatten, als wir den Tag ohne Strom regungslos auf der Matratze liegend verbracht haben…

Wie ihr seht, wir drei sind wieder da, haben unser neues Visum. Auf den letzten Visarun, auf Singapur, auf Viet Nam..

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Mai 9, 2010

Im!

Eigentlich will ich nicht dran denken, jedenfalls antworte ich jedem, der mich gelegentlich drauf hinweist, dass ich ja gar nicht mehr so lange hier bin, mit „Im!“ (vietnamesisch für Halt die Klappe).

Doch es half alles nichts, der Anfang begann für mich mit dem Abschied von meinen Klassen in der High School. Prüfungen, Sommerferien, ich geh zurück, alles Gründe, warum ich meine letzten Stunden als Co Julia hinter mir hab. Und was ich am Anfang nie gedacht hätte: Ich bin traurig. Ich vermiss die Klassen schon jetzt, egal ob Streber- oder Partyklasse. Alles Gerede, alles Rumgeschreie wurde in der letzten gemeinsamen Stunde verziehen.

 

Wie die Zeit vergeht, sehe ich vor allem an Thoas Bauch. Während wir am Anfang gezweifelt haben, ob mensch ihr überhaupt je ansehen würde, dass sie schwanger ist, zeichnen sich mittlerweile sogar unter den weiten T-Shirts Rundungen ab. Es ist… krass, ein Glücksfall, lehrreich, Thoa die ganze Zeit bei ihrer Schwangerschaft zu begleiten.  Von „I want to wait to have a baby two more years“ bis zum ersten morgendlichen Kotzen, zum ersten Ultraschallfoto und, wenn ich Glück habe, bis zu letzt zur Geburt. Bis es soweit ist, machen die Hormone den Stimmungsschwankungen Beine. Und Musik wird bei uns auch öfter gehört, weil unser zukünftiges kleines Mädchen dann fest zu tritt.

Doch jetzt zum versprochenen Teil: Der Besuch aus Deutschland. Mein Vater, mein Bruder und der Freund meiner Schwester kamen mich für knapp zwei Wochen besuchen. Die Reiseroute lautete Ha Noi, Viet Tri, Ha Long Bucht.

Es ist ein wenig schwierig, ausfuehrlich zu berichten, weil alle drei meinen Blog lesen und ich am Ende noch drei Gegendarstellungen schreiben muss.

Aber ich glaube, es laesst sich unegfaehr so beschreiben:

Ha Noi: erster Schock- Verkehr, Lautstaerke, Dreck, andere Kultur, Gegensaetze arm und reich, mit Staebchen essen ueben und lieber noch ein wenig vorsichtig mit dem sein, was man da isst.

Viet Tri: schon ein wenig weniger Verkehr, ruhige Ecken sind vorhanden, ueberfordert mit dem Kennenlernen meiner Freunde, schon ein bisschen mehr Essen wagen und eine ganz besondere vietnamesische Aktivitaet. Der Grund, warum auch Vietnamesen in Ha Noi Viet Tri kennen- das Den Hung Festival. Den Hung ist eine Tempelanlage auf einem Berg, der an der Stelle sein soll, wo die erste Hauptstadt Vietnams Van Lang gegruendet wurde und mit der die Aera der Hung Koenige begann. Jedes Jahr im Fruehling pilgern Vietnamesen aus dem ganzen Land nach Viet Tri, um den Gruendern ihre Ehre zu erweisen. Diesmal darunter auch 4 Deutsche. Man sollte meinen, es ist einfach, in einer Masse von tausenden Vietnamesen, die sich koerperaneinanderreibend die Stufen zu den Tempeln hochschieben, unterzugehen.

Keine Chance. Vor allem nicht, wenn man drei Klassen trifft, die mensch unterrichtet und die alle total fasziniert sind, meinen Papa zu sehen. 1 1/ Stunden spaeter haben wir es tatsaechlich geschafft, jetzt nur noch zurueck durch die Xe Om Fahrer kaempfen, die an einem kleben wie Sekundenkleber. Auf ins Auto zu meinem Lieblingstaxifahrer (ganz bestimmt ohne Abzocken) und die Tasche fuer die Weiterreise packen.

Ha Long Bay: Urlaub! Auf alle Faelle fuer mich. Weil hier mein Wissensbereich aufhoert und ich auch zum ersten Mal auf Cat Ba bin, hab ich ein bisschen weniger Verantwortung. Natuerlich bin ich immer noch die, die Englisch und Vietnamesisch spricht, aber da jedeR auch mal was auf eigene Faust macht, geht´s fuer mich zum Enstpannen zum Spazieren, zur Massage, zum Klebreis essen- den besten, den ich bis jetzt gegessen habe! Nur allein deswegen will ich wieder nach Cat Ba.

Obwohl die Natur auch wunderschoen ist. Die aus dem Wasser ragenden Kalksteinformationen sind nicht ohne Grund weltberuemt… wer jedoch weltberuehmt ist, zieht auch dementsprechend viele Touristen an. Wobei es auf Cat Ba mehr vietnamesische als westliche Touristen gibt. Und einen Vorteil haben Touristernstaedte noch: Wenn du anfaengst, vietnamesisch zu sprechen, klappt den Vietnamesen buchstaeblich der Mund auf.

Kinder auf der Straße: We want money, money, money! Ich auf vietnamesisch: Ich hab kein Geld. Ergebnis: offene Muender und Ruhe.

 

Das tolle an dem Besuch an Deutschland war nicht nur, dass jetzt wenigstens drei Leute verstehen, wovon ich rede, sondern auch, dass mir viele tolle Sachen mitgebracht wurden.

Unter anderem ein Twisterspiel fuer die Kinder im SOS-Kinderdorf. Danke Franziska!

Fuer mich geht es schon wieder auf Visareise, drei Monate um seit meinem letzten Bangkokbesuch. Diesmal verschlaegt es Milli, Sissi und mich nach Singapur, woich gerade voellig fertig mit dieser Stadt auf meinem Bett in der Jugendherberge hocke. Warum ich zuerst dachte, ich sei in Berlin und wir Angst vorm UeberdieStraßeGehen haben, werdet ihr naechstes Mal erfahren.

Um die Wartezeit auf den naechsten Eintrag zu ueberbruecken, solltet ihr Christophs Blog (Link rechts) lesen. Wunderbar geschrieben mit Rechtschreibkorrektur von Lina und mir.

Eine kleine Leseprobe hier:

Scheiß Globalisierung

Alles ist ruhig es ist halb elf abends also eine Zeit zu der normale Leute schon seit einer halben Stunde friedlich schlummernd an ihren Matratzen horchen. So auch Julia und Lina, ich sitze noch in meinem Zimmer und lese, muss ja morgen erst um 10 in die schule.

Unten auf der Straße hört man einen Motorroller vorfahren und kurz darauf jemanden am Metalltor rütteln. Ich mache mich auf meinen Weg nach unten und höre schon ein Mädchen nach Julia rufen. Die mir zusammen mit Lina jetzt auch schon dicht auf den Fersen ist.

Unten vor dem Tor steht Linh und hinter ihr ihr Onkel auf seinem Roller. Sie erklärt, dass ihr Onkel einen neuen Job hat und morgen etwas zusammen bauen muss dessen Betriebsanleitung allerdings auf englisch ist und ob ich nicht mitkommen wollte um bei der Übersetzung zu helfen.

Ich hab mir also Schuhe und Julias Wörterbuch geschnappt, sehr zur Freude der Nachbarn die Minsk angeheizt und bin mit zu Linhs Haus gefahren.

Dort saßen ihr Vater und noch irgendein Mann schon vor einem Haufen Einzelteile auf dem Wohnzimmertisch. Ich bekomme eine Bauanleitung die wahlweise auf englisch und französisch zuhaben ist und sich einer Bauanleitung gemäß auf Fachbegriffe beschränkt, die ich genauso wenig verstehe wie die Vietnamesen. Mir bleibt schließlich nichts anders übrig als Tante Google zu diesem Thema zu befragen.

Während ich also auf dem Bett, in dem Linhs Mutter bereits schläft sitzend die Seriennummern und Typenbezeichnungen der verschiedenen Teile aus dem Haufen in die Suchmaschine einhacke, werden mir 2 Dinge klar. Zum einen, dass es sich bei den am folgenden Tag zu erstellenden Bauelementen um Verbindungsstücke für Starkstromkabel handelt, die mit einigen selbst verschweißenden hightech Isolierbändern und mehreren verschiedenen Kunstharzen für ihren Offshoreeinsatz gerüstet werden sollen. Zum anderen aber auch, dass ich hier zum ersten mal direkt und live die Möglichkeit habe den Kapitalismus von der anderen Seite kennenzulernen, was ja zum teil auch ein Grund für meine „Zivildienstortswahl“ war. Jetzt habe ich den Beweis vor mir liegen. Es ist für große europäische ( in diesem Fall englische ) Unternehmen billiger die bei sich ( hier neben England Frankreich und Deutschland ) gefertigten hochqualitativen Einzelteile in ein 200 000 Einwohnernest in Vietnam zu schippern, sie dort von einem Arbeiter, der keinerlei Bezug zu und meistens auch nicht die nötige Ahnung von der Materie hat, zusammenstöpseln zu lassen und das Endfabrikat dann in Europa wieder teuer zu verkaufen.

Über diesen Umstand rege ich mich noch auf nach dem ich mit Linhs Onkel und seinem Kollegen 2 Bier auf ex gezischt habe und mich die Minsk schon wieder heimwärts donnert. Um 1 Uhr nachts! Der Kapitalismus schläft eben einfach nicht.

 

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | April 12, 2010

100 Gründe (und damit nicht vollständig) Viet Nam zu lieben

  1.   Betelnuesse und die daraus resultierenden roten Münder
  2.    Vietnamesische Popmusik
  3.    Auf der Straße Ochsenkarren ueberholen
  4.    Motorbikes!!
  5.   High Heels ueberall, auch Absaetze unter Turnschuhen
  6.   Offenheit
  7.  Das langsame Erwachsenwerden (Fangenspielen im LehrerInnenzimmer)
  8.    Maerkte
  9.  Frisches Obst
  10. Reis
  11. Milk tea, che, sua chua, nep cam- all die süßen Zwischenmahlzeiten
  12.  Die Synchronisation im Fernsehen (monoton, emotionslos, eine Stimme)
  13.  Die Jobs, die es nur gibt, um Jobs zu haben (Schultrommeltrommler, Leute-in-den-Bus-Zieher)
  14.  Spitze Strohhuete
  15. Die Sprache (Zigarette= Blattmedizin)
  16.  Die Landschaft
  17.  Ganz besonders die in Sa Pa
  18. Regenschirme, die hier viel eher Sonnenschirme sind
  19.  Kinderliebe
  20.  „Anh“, „Chi“, „ong“,… alle sind eine Familie
  21.  Plastikstuehle: Im Cafe, im Bus, auf der Straße
  22. Gastfreundschaft
  23.   Plastiksandalen
  24.  Die Art, Buoi (Pomelo) zu schaelen
  25. Jungs kichern wie Maedchen
  26.  Busfahren- immer ein Abenteuer
  27. Die endlosen Maegen der Vietnamesinnen
  28. Mit 17 fragen: „Hast du jemals einen Jungen umarmt?“
  29. Tram pham tram!- hundert Prozent des Glases auf einmal trinken
  30. Singbegeisterung
  31.  Reisfelder
  32.  Gruener Tee
  33.  Schlafanzuege auf der Strasse tragen
  34.  Essen von vielen Tellern
  35. Staebchen
  36.   Xe Oms
  37. Vodka zum Fruehstueck
  38.  Eltern, die ihre Kinder zum Pinkeln ueber die Strasse halten
  39. Eine unglaubliche Lockerheit
  40. Der hohe Stellenwert der Familie
  41.  Pagoden
  42.  Der Duft von Raeucherstaebchen auf dem Familienaltar
  43.  Kommunistische Propaganda ueber Lautsprecher auf der Strasse morgens um sechs
  44.  Handysucht
  45.  Kitschiger Haarschmuck
  46.  …tausend dong
  47.   „ich bin muede“ statt „ich bin krank“
  48. Vietnamesischer ca phe sua da (Kondensmilcheiskaffee)
  49.  Reiskocher
  50. Rechtschreibfehler im offiziellen Englisch
  51. Soft sleepers im Reunion Express
  52.  Oi gioi oi!
  53.  Selbststaendiger Gemueseanbau im Garten, d.h. in provisorischen Setzkaesten auf der Strasse vorm Haus
  54.  „Am Wochenende schlaf ich aus.“- „Also bis um acht?“
  55.  I´ll be at your house in five minutes, okay?
  56.   Chi oi
  57.   Hoan kiem see
  58.   Love bridge und love street
  59.  Alte Menschen bei der Gymnastik beobachten
  60. Obst mit Salz und Chili essen
  61.  Blumen und Glueckwuensche zum Frauentag
  62.  Große, cremige Geburtstagstorten
  63.   12jährige muessen um 10 zu hause sein-22 jaehrige auch
  64. Frischer Zimt vom Baum
  65. Bergvoelker
  66. “seven up” heißt bay up
  67.  tiger balm, Hausmittel gegen alle Schmerzen
  68.  Fahrraeder ohne Licht, Autos ohne Gurte
  69.  Hockstellung, in der nur VietnamesInnen stundenlang sitzen koennen
  70.  Fahrradverkauferinnen singen ihr Lied
  71.  100.000 dong Handyaufladekarten kosten 95.000 dong
  72.   Duli-A
  73.    Stadt und Land so nah bei einander
  74.   Disneyhauser
  75.  Mundschutz
  76.  Peacezeichen (hi!/hai)
  77. „Xinh gai!“ (=Huebsch! Als Ausruf)
  78.  Haare waschen mit trockenen Haaren
  79.  Kinder werden herumgetragen, nicht im Kinderwagen umher geschoben
  80.    Hochzeitparties, die drei Tage dauern
  81.  Filme, die gerade ins Kino kommen, gibt es schon auf DVD
  82. Nola, Lollipub, Moon: kurz gesagt Ma May Street
  83.  „made in viet nam“-shops
  84.  bia hoi
  85.    SMS-Slang (khong=ko , gi=j)
  86. Freiwilligengruppen an der Uni- KOnzertbetreuung und Hilfe in Kinderheimen
  87.  Aeltere Menschen, die viel Zerstoerung miterlben mussten und trotzdem unglaublich gastfreundlich sind
  88.   Chinahass und Korealiebe
  89.  Offene Fragerei: Wie viel wiegst du? In welchem Alter willst du heiraten?
  90. Subtiler Humor
  91.  Ao dai
  92.  Bonsaibaeume fuer 12.000 Euro
  93.  Vietnamesische Volunteergruppen beim Partymachen
  94.   Ueberdimensionale Bambuspfeifen
  95.    Restauranttoiletten, zu denen mensch durch die Kueche gehen muss
  96.  Auffahrrampen fuer die Motorraeder auf die Fusswege
  97.  Studenten-WGs in Ha Noi: sehr viel gute Laune auf sehr wenig Raum
  98. Badmintonspielen ueberall, ob Pagode oder Tickethalle des Busbahnhofs
  99.   Zahnstocher
  100. Und immer und immer wieder: Freundlichkeit, Offenheit, Gastfreundschaft

 

Und wer was nicht versteht, es aber verstehen möchte: Kommentar schreiben bitte!

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | März 30, 2010

Hier spielt die Musik

Der März sah in meinem Kopf so aus: Der letzte Monat, den ich ohne Urlaub durcharbeiten würde, nichts war geplant, deswegen lag die Vorhersage auch bei unspäktakulär.

Bin ich nicht schon lange genug hier, um zu wissen, dass mit nichts los nicht viel los ist?

Donnerstagnachmittag, ich laufe mit meinem kaputten Fahrrad vom SOS-Kinderdorf nach Hause. „Hallo!“ Ja, danke ich weiß, hallo…. „Wie geht es dir? Wo kommst her? Wie heißt du?“ Okay, Moment, das war nicht nur flüssiges Deutsch sondern ein bayrischer Akzent. Ich dreh mich um und erblicke- einen Vietnamesen auf einem Motorrad.

Diep wohnt seit 10 Jahren in München, ist in Viet Nam geboren und gerade auf Familienbesuch hier. Wir verabreden uns für später.

Freitagnachmittag und Lina, Christoph und ich sind auf dem Weg nach Hoa Binh. Diep ist kein „richtiger“ Vietnamese, wie er uns den Abend vorher aufklärte, sondern Muong, anghöriger einer der Bergstämme, von denen es einige nicht nur in Viet Nam, sondern auch in Laos, Kambodscha und Thailand gibt. Weil wir total fasziniert davon waren, mehr von dieser anderen Kultur zu erfahren, lud uns Diep kurzentschlossen übers Wochenende in sein Dorf nach Hoa Binh (100km südlich von Ha Noi) ein.

Nachdem wir auf dem Weg zu seiner Familie an der größten Ho Chi Minh Statue in Viet Nam vorbei gefahren sind, die auch durch ihre Beleuchtung und ihre Position auf einem Berg schon Kilometer vorher zu sehen war, kamen wir spät abends in der vielleicht 200 Seelen-Gemeinde an.

Dort schliefen wir in einem traditionellen aber neu gebauten Pfahlhaus, alle in einem großen Raum, die Dusche draußen und ohne Tür und Dach, weswegen mensch besser nur abends im Dunkeln duschen sollte.

Wir erklommen Berge, die uns eine wunderbare Sicht ueber die Landschaft ermöglichten, kletterten mit Kerzen in der Hand in Höhlen umher, in denen uns jede Sicht fehlte, aßen zur Stärkung frisch vom Baum gepflückte Kokosnüsse und knabberten an Zimt, den wir am Wegesrand mit nahmen.

Natur pur- fast alles, was am Rand der unbefestigten Wege wuchs, konnten wir essen.

Neben Essen durften wir natürlich auch Trinken- die Muongspezialität ist ein großes Tongefäß mit gegorenem Reis, auf den Wasser gekippt wird und aus dem 10 Strohhalme ragen, zu der je einE TrinkerIn gehört. Sehr gesellig also, zu zehnt um den ruou can zu sitzen und ein Horn (Nachfüllinstrument für das Wasser) nach dem anderen zu trinken.

Genauso gesellig wie der Tanz der Muongfrauen, den wir auch ausprobieren durften und beim Springen über die Bambusstangen kläglich versagten.

Versagt habe ich auch zurück in Viet Tri, als Trang (meine liebste vietnamesische Freundin, die aus Viet Tri kommt, aber seit 4 Jahren in Ha Noi wohnt) mich mit zum Aerobic um die Ecke von meiner Schule nahm.

Alle Frauen, die dort in Hotpants und Bikinioberteil vor sich hin schwitzten schienen die Übungen jeden Tag zu machen und hatten dementsprechend keine Probleme. Ich hingegen kam gar nicht hinterher.

Co Loan von meiner Schule hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, mich zu überreden, noch einmal hinzugehen und mit Line (neue dänische Freiwillige) im Schlepptau, die in Dänemark Sportlehrerin ist und deshalb auch ziemlich fit, ging es beim zweiten Mal schon viel besser, auch wenn mich das 8jährige Mädchen im Kurs ständig in meinem Hüftschwung verbessern wollte.

Trang war ein ganzes Wochenende zu Besuch in Viet Tri, so dass wir uns sportlich noch mehr betätigten als beim Aerobic. Ab auf unsere frisch reparierten und trotzdem dauerhaft kaputten Fahhräder und 10km später waren wir nicht mehr in Viet Tri, dafür in einer großen Pagode am Fluss, die den Seeleuten gewidmet ist. Da gerade nach dem Mondkalender Beginn des neuen Monats war, war die Pagode voll von Menschen, die ihre Gaben, also Obst, Alkohol, Geld, Süßigkeiten, den Ahnen darbieten wollten. Wir beteten für Glück und Gesundheit und danach ging es wieder auf die Fahrräder und zur nächsten Pagode, in der, als wir ankamen, die Seniorengruppe im Tai Chi zu Gange war. Wir zündeten Raucherstäbchen an, deren Duft ich unglaublich gern mag, und schlossen uns danach der Sportgruppe an, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Schon einen Tag vorher hatten Lina und ich uns auf die Fahrräder gesetzt und waren einfach drauf losgefahren, was uns nach 10 Minuten mitten aufs Land brachte und auch wieder zu einem Tempel. Jenes Mal begrüßten uns die Mönche persönlich, luden uns zum Tee und brachten uns bei, wie mensch richtig betet.

Die Abende der beiden Tage war auch viel los. Am ersten Abend hatte uns Co Nhung von Linas Schule zu einem Konzert im Stadion von Viet Tri eingeladen, das überall in der Stadt auf Plakaten angepriesen wurde. Uns wurde gesagt, die SängerInnen an diesem Abend wären berühmte vietnamesische KünstlerInnen.

Allerdings wurden alle unsere Erwartungen untertroffen. Das Stadion war vielleicht zu einem Achtel gefüllt und alle saßen ganz brav auf ihren Plätzen.

Mitgesungen und geklatscht wurde nicht. Doch Lina und ich hatten trotzdem unseren Spaß, als ein Sänger mit neongelber Jacke und Glitzerhose auf die Bühne kam und später auch noch anfing, zu blinken. Und der darauf folgende Sänger trat ganz in knallrot auf.

Wie gesagt, wir hatten unseren Spaß, im Gegensatz zu Linas Lehrerin, der das Konzert überhaupt nicht gefallen hat.

Dafür übertraf der Abend danach unsere Erwartungen. Lina, Trang und ich machten uns auf den Weg zu Phuongs Schule, an der an dem Abend eine Werbeveranstaltung für eine Uni in Ha Noi statt fand. Die ganzen StudentInnen verbreiteten eine großartige Stimmung, in dem sie durch den ganzen Saal tanzten, auf der Bühne wurde erstklassiger Breakdance getanzt, so dass alle Mädchen nicht mehr aufhören konnten zu kreischen und letztendlich entdeckten wir noch einen anderen Tay, der von seiner Firma aus da war, die die ganze Veranstaltung sponsorte und mit dem wir uns unterhielten. Dann ab auf die Bühne zum Spiel mit Luftballonszerplatzen und der Spaß war zu Ende.

Zumindest für dieses Mal denn wenige Tage später fand in Phuongs Schule, die beste und bekannteste in Viet Tri, eine Mr. Und Ms.-Wahl statt, zu der mich meine Schülerinnen mitnahmen. Smoking, Fracks, bodenlange Ballkleider neben Ao Dais- die Mädchen und Jungs hatten sich mächtig Mühe gegeben. Eine nach dem anderen stolzierten sie auf der mit Herzluftballons geschmückten Bühne auf und ab, warfen Handküsse zu, was wiederum Kreischwellen auslöste. Wenn VietnamesInnen eins beherrschen, dann den Kitsch.

Die Wahl war Teil des Programms zum alljährlichen Tag der vietnamesischen Jugendunion, der nationalen FDJ quasi (hier tragen auch alle blaue Hemden).

An der Schule der Mädchen des SOS-Kinderdorfes und am Medizin-College wurde dieser Tag mit Camping gefeiert. Camping auf vietnamesisch. Das hieß, jede Klasse baut ein Zelt auf, schmückt es mit Blumen, Papiervögeln, Ho Chi Minh Bildern und allem, was das Herz begehrt, und das schönste Zelt gewinnt einen Preis.

Im College wurde die Aktion noch mit einem nächtlichen Lagerfeuer gekrönt, um das alle im Kreis voll Freude herumrannten, Hand in Hand.

An meiner Schule gab es „nur“ eine zweistündige Show, allerdings mit Modenschau aus Müll, Boyband inklusive Gitarre (das Kreischbarometer stieg nach oben. Christoph merkte an, wie vietnamesisch ich sei, weil ich gnadenlos mitkreischte) und einer Salsagruppe.

Die große Gruppe von ReferendarInnen, die derzeit bei uns ihr Unwesen treiben, sangen auch ihr Lied. 6 EnglischreferendarInnen sind dabei und das erste Mal, als sie bei mir im Unterricht drin saßen, um etwas zu lernen, hätte ich am liebsten gelacht, denn es ist glaub ich keine gute Idee, von einer nichtausgebildeten Lehrerin, die alles halt so macht, wie es ihr in den Sinn kommt, zu lernen. Aber Co Yen hatte ihnen das vorher schon gesagt, so dass sie sich von mir hoffentlich nicht zu viel abgucken. Außer vielleicht dass mensch auch mal Aufgaben machen kann, die nicht im Schulbuch sind.

Denn das Schulbuch hört nicht auf, lustig zu sein, im Gegenteil, es wir immer besser.

In der Unit zum Thema Filme heißt es zum Beispiel „Liebesfilme sind wegen der Sexszenen nicht für junge Leute, sondern nur für Erwachsene geeignet.“

Oder: Die Menschen in New York sind freundlich und aufgeschlossen, in London distanziert und reserviert.

Genauso verrückt wie das Schulbuch ist auch das Statussymbol in Viet Nam- womit ich nicht sagen möchte, dass Autos, Schmuck,… es nicht auch sind und nicht genauso verrückt.

Jedenfalls, zurück zum Thema: Bonsaibäume. Bei uns im Hof stehen drei Bonsaibäume, denen ich nie viel Beachtung geschenkt habe, außer als Ablagefläche für altes Brot, dass sich dann die Nachbarin für ihre Schweine abholt. Das werde ich ab jetzt sein lassen, denn Thoa erzählte nebenbei, dass ein Baum umgerechnet 12.000 Euro wert ist. 36.000 Euro bei uns im Hof, nicht schlecht. Die Bäume gehören Mr. Minh, dem Vizechef vom SOS-Kinderdorf, dem auch das Haus gehört, in dem wir wohnen. Im SOS-Kinderdorf war anscheinend kein Platz mehr für sie, da stehen nämlich schon 20-30 Bäume.

So war auch die Hochzeit von Mr. Minhs Sohn ziemlich groß, sogar wir Freiwilligen waren eingeladen. Statt dem üblichen Reiswein gab es Whiskey und pünktlich um 12 waren Christoph, Lina und ich lustig drauf. So viele Menschen wollten noch nie mit uns anstoßen und Christoph musste schließlich von Tisch zu Tisch gehen, um überall einmal zuzuprosten.

Und dann stand schon wieder das nächste Konzert an. Hien, eine meiner Schülerinnen, ist, wie die meisten Mädchen hier, ein unglaublicher Fan der koreanischen Popband SuperJunior. Und Super Junior kam nach Ha Noi für ein Konzert. Und Hiens Eltern erlaubten ihr nicht hinzufahren. Es sei denn, ich käme mit und passte auf sie auf. Und eh ich mich versah, war es Tatsache, dass ich als Babysitterin und neuerdings Fan von SuJu nach Ha Noi fahren würde. Ich freute mich schon riesig: Endlich wieder ein Konzert und wir würden bei Trang schlafen. Hien Eltern fuhren uns Freitagnachmittag mit dem Auto nach Ha Noi und luden uns bei Trang ab. Trang wohnt in einer typischen Ha Noier Studenten-WG: Ein Zimmer, ein Bett, drei Mädchen. Trotzdem machten sie Platz für mich, Hien und später noch Sissi.

Die Wohnung ist ein einer wunderschönen Gegend, in der ich das erste Mal war- ohne Touristen, dafür mit Uni, Tempel und ganz vielen kleinen Läden in genauso kleinen Gassen. Nach sieben Monaten hatte ich das Gefühl, das wahre Ha Noi zu sehen. Warum musste das so lange dauern…?

Ganz der große Bruder schleifte Trung seine kleine Schwester Hien am Samstagvormittag noch in zwei Tempel und ein Museum bevor wir sie bei ihrem SuJu Fanclub absetzten, die vor dem Hotel auf ihre Idole warteten und dann zusammen in Bussen zum Konzert fuhren.

Ich sah Hien erst abends im Stadion wieder, das diesmal zur Hälfte gefüllt war.

Wie sich dann herausstellte, war es kein reines SuJuKonzert, sondern ein Benefizkonzert von MTV, um auf Menschenhandel ausmerksam zu machen. Bevor die 13 Jungs aus Korea endlich die Bühne betraten, sahen wir einige Reden und vietnamesische sowie eine australische Band. Während der ganzen Zeit saßen alle, auch unten auf der Rasenfläche.

Doch dann war es soweit, Super Junior betrat die Bühne. Alle sprangen auf, rannten nach vorne und die Konzertstimmung war da. Springen, singen, klatschen, schreien und nach vier Liedern war alles schon wieder vorbei. SuJu verschwand schneller von der Bühne als die Fans „sorry, sorry, sorry“ (DER Hit von SuJu) singen konnten, stiegen in ihr Auto und weg waren sie. Ziemlich viel Aufwand für vier Lieder… dachte ich vor allem, als uns Hien ihre neue Fanclubfreundin vorstellte, die aus Ho Chi Minh City angereist war.

Nach dem Konzert war es zu spät, um in Trangs Wohnung zurückzufahren, das Haus wird um halb zwölf abgeschlossen, also machten wir uns auf den Weg zum Haus ihrer Freundin und ich staunte nicht schlecht, als wir dort ankamen. Ihre Freundin hat reiche Eltern, sie haben ihrer Tochter zum Studieren ihr eigenes Haus mit 4 Schlafzimmern in der Nähe der Uni gekauft. Wir schliefen also jeder im Bett, diesmal musste niemand auf dem Fußboden schlafen und am nächsten Morgen ging es zurück zu Trangs Wohnung und dann schließlich nach Viet Tri, wo ich Hien, ziemlich grün im Gesicht vom Busfahren, bei ihrer Familie ablieferte.

Das war also der März und der April steht vor der Tür. Der April, in dem ich Besuch aus Deutschland bekommen werde. Davon erzähl ich euch das nächste Mal.

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Februar 28, 2010

„Frohes neues Jahr“, die Zweite

 

Das Jahr endete vor allem mit einem: Visastress. Endete? Genau, endete. Nein, ich habe nicht vergessen von Gegebenheiten von vor zwei Monaten zu berichten, auch wenn euch die Schauplätze der folgenden Geschichte bekannt vorkommen dürften.

Am 13. Februar endete das Jahr nach dem Mondkalender und machte dem neuen Jahr, dem Jahr des Tigers, Platz. Das heißt vor allem erstmal Urlaub. Für uns Freiwillige, aber auch für die Mitarbeiter von VPV, wofür es für uns keinen schlechteren Zeitpunkt hätte geben können- fast pünktlich zum neuen Jahr, am 19.2., lief unser Visum ab. Und eine einfache Verlängerung stellte sich nach längeren Nachforschungen und ein paar lustigen Tagen auf Entdeckungstour durch das Ministerium für Immigration als nicht so einfach wie gedacht heraus. Unsere Organisation, die es eigentlich für uns verlängern müsste, ist dafür vom Staat nicht berechtigt. Also hatten wir die Wahl. 350 Dollar für ein neues Visum + in Viet Nam bleiben, oder einen Abstecher ins Ausland machen und ein neues Visum für ein fünftel dieses Preises bekommen.

Am 10. machten Sissi und ich nun auf den Weg nach Bangkok. Für einen tag. Was muss, das muss und Bangkok ist mit Abstand der billigste Flug. Wirklich entspannt war der Kurzurlaub auch nicht, weil wir noch um ein Schreiben, das wir zur Einreise brauchten, bangen mussten und Passfotos brauchten. Beides kam rechtzeitig, wir haben mal wieder einen tag westliches Stadtkind gespielt, was diesmal allerdings schon nicht mehr so berrauschend war wie noch einige Wochen vorher und rutschten am Ende wieder in eine Krise, als kein Drucker auf der Touristenstraße Bangkoks das format unseres Briefes erkennen und drucken wollte.

Aber Viet Nam wäre nicht unser geliebtes Viet Nam, wenn die Flughafenvisumsbeamten das mit dem Drucken nicht so ernst genommen hätten. Das Schreiben auf meinem Laptop genügte und wir bekamen unser langersehntes Visum in den Pass geklebt. Alles gut gegangen, bis zum nächsten Mal im Mai, denn mehr als drei Monate Visumsgültigkeit waren nicht drin…

Vor Bangkok hatte ich meine Ferien aber auch schon genutzt und war mit Nanna und Sofie nach Hoi An gefahren, eine kleine Stadt im zentralen Viet Nam, bei der mensch vor lauter Touristen die Schönheit des Fischerdorfes fast nicht mehr sieht.

Wir fuhren mit dem Nachtzug und so hatten wir als wir am Morgen aufwachten, eine ganz andere Landschaft vor Augen, als wir sie sahen, bevor wir die Augen geschlossen hatten. Das Grün der Reisfelder noch grüner, die berge schroffer, das Meer , der Strand.

Das Vietnamesisch anders, die Menschen auch ein klein wenig (rauchende Frauen!).

Einmal durch Da Nang durch, was mir von zwei anderen Freiwilligen als hässlichste Stadt überhaupt beschrieben wurde, sich aber als große und schöne Hafenstadt herausstellte, in den Bus, ein wenig laufen, ins Hotel, was uns gleich mit seinem Balkon überzeugte, auf dem wir uns abends mit Musik, Obst und Bier gut einrichteten.

Geschockt waren wir nur, weil wir jetzt jenseits des Wolkenpasses, der Wettergrenze zwischen tropisch und subtropisch waren, von der Hitze, die böse Vorahnungen auf den Sommer im Norden entstehen ließ.

Den ersten Tag verbrachten wir damit, uns mit der Umgebung vertraut zu machen, was in Hoi An bedeutet: Schuhe und Kleider anschauen. Die Stadt ist eine einzige Einkaufstraße, bekannt durch die vielen Schneidereien, die dir für wenig Geld alles schneidern, was du willst.

Einmal durchgekämpft durch den Konsum erreicht man den kleinen Hafen, der zum Sitzen und Verweilen einlädt-

Kulturell gab es aber tatsächlich auch etwas zu tun, die Stadt hat trotz der alljährlichen Überflutungen viele Häuser zur Besichtigung zu bieten, die als besonders gelten, weil sie eine Mischung aus janpanischer, chinesische und vietnamesischer Baukunst sind. Früher Handelsort schlecht hin, war Hoi An Wohnsitz für viele Chinesen und Japaner, so dass die Stadt auch in zwei Viertel, das japanische und das chinesische, verbunden durch die japanische Brücke, geteilt ist. Daneben finden sich überall Tempel und mittelalterliche Versammlungshäuser. Wirklich schön, wenn nur die ganzen TouristInnen nicht wären…

Am nächsten Tag wollten wir raus aus der Stadt und dem Ruf unseres Reiseführers nach My Son und zu den Marmorbergen folgen.

Wir mieteten uns Motorräder und ohne Verfahren machten wir uns morgens um acht auf nach My Son, einer jahrhunderten alten Tempelanlage des Chamkönigreiches in den Bergen. Der Spitzname dieser Tempelanlage ist das Angkor Wat Viet Nams, was aber gnadenlos übertrieben ist, da von den Tempeln nicht mehr viel als ein paar Ruinen üborg sind. Die Landschaft, in die sie reingebaut sind, faszinierte uns aber und auch die Motorradfahrt an sich hat den Ausflug schon gelohnt.

Die Marmorberge, die wir danach besuchten, waren den Besuch aber ihretwegen wert. In einen Berg gebaute Tempel. Aussichtsplattformen und mit riesigen Marienstatuen geschmückte Grotten brachten bei uns Bewunderung und ein bisschen Indiana Jones Feeling, da die Gongklänge und die Gesänge der betenden Mönche in den Grotten unheimlig wieder hallten und der Rauch der Räucherstäbchen um uns her waberte.

Am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen von Hoi An, aber auch von Nanna und Sofie, die sich weiter Richtung Süden aufmachte, während ich nach Bangkok musste.

Warum wir nicht länger in Bangkok geblieben sind? Nun, weder Sissi noch ich wollten die Tet-Feierlichkeiten zu Hause verpassen.

Am 13. abends begab ich unsere übliche Gruppe an Freiwilligen mit einem Zuwachs, meinem neuen Mitbewohner Christoph, der auch ein Jahr in Viet Tri bleiben wird und von dem ihr also bestimmt noch mehr lesen werdet, an den Hoan Kiem See in Ha Noi, um das groß angekündigte Feuerwerk zu sehen. Es war tatsächlich mehr als in Bangkok am 1.1. und das „Oh“ und „Ah“ der VietnamesInnen war unterhaltsam, doch einen Countdown gab es wieder nicht…

Nach dem Schauspiel begannen wir das neue Jahr mit Karaokesingen und der erste Tag opferte sich zum faulsten Tag, seid ich in Viet Nam war. Lesen, im Bett liegen, Film schauen, bevor Christoph und ich das erste Mal zusammen nach Viet Tri fuhren, wo der Einladungs- und Essmarathon begann.

Da an Tet alles geschlossen ist, wirklich alles, war es sehr hilfreich, das wir uns anderswo durchfressen konnten und massenweise Chung Kuchen (Tet Spezialität, Kleibreis in Bananenblättern egfüllt mit Bohnen und manchmal Fleisch) geschenkt bekamen, da wir nicht wussten, dass es unmöglich ist, in den Haupttagen von tet etwas zu essen zu kaufen.

Dass ausnahmslos jeder bei seiner Familie ist, zeigt den Stellenwert dieses Festes und erfüllt das Herz mit Freude, dass hier der Konsum ein paar Tage im Jahr komplett egal sist.

Eine Woche lang besucht jeder jeden und jede jede, Familie, FreundInnen, NachabrInne3n, LehrerInnen.

Da mein Geburtstag auf den dritten Tet-Tag fiel, wurde auch unser Haus eines abends von einer kleinen Gruppe aufgesucht und ich hatte eine sehr schöne und vor allem vietnamesische Geburtstagsparty.

Als Tet vorbei war, hatte ich neue FreundInnen, eine Oma, die mich als ihre Enkeltochter symbolisch adoptierte, eine neue Schülerin für meinen abendlichen Unterricht und die Erinnerung an einen Spaziergang „im“ Roten Fluss (Trockenzeit, Flussbett). Keine schlechte Ausbeute und eine wunderbare Woche, die wie im Flug verging.

Am Ende tauchte dann auch meine zweite neue Mitbewohnerin, Lina, auf, die ebenfalls ein Jahr bleibt.

Die erste Woche Arbeit verging auch schnell. Da es Christophs erste Woche an nun unsere Schule war und ich mich von den zehnten Klassen verabschiedete und den neuen Lehrer, der zwei Meter groß ist und deswegen ohrenbetäubendes Geschrei verursacht, wo auch immer er hingeht, vorstellte.

Außerdem traf ich mich weiterhin mit meiner neuen Freundin, die ich zu Tet kennen gelernt hatte und sie zeigte mit Ecken in Viet Tri, die ich vorher trotz der sechs Monate hier, nicht kannte aber durchaus Potential zu meinen Lieblingsecken haben.

Zum Beispiel die Liebesbrücke, die ihren Namen hat, weil sie zu den wenigen Orten gehört, an denen sich junge Paare ungestört treffen und sogar Händchen halten können, manchmal ist sogar im dunkelsten Schatten ein Kuss drin. Jeglicher Kontakt bei Tageslicht und dann auch noch in der Öffentlichkeit ist hier alles andere als üblich, deswegen gibt es nur ein paar Gelegenheiten, ungestört vor den vor allem erwachsenen Augen zu sein.

Eine weitere ist die Nguyen That Than Straße, die sich den Status durch die vielen Bäume am Straßenrand verdient hat, die einen guten Sichtschutz bilden. Spitzname dieser Straße, wie kann es anders sein, „Liebesstraße“.

Beschreibeung eines Vietnamesen: „The young couple meet here to… talk.“

Ist halt auch schwer, sich zu Hause zu unterhalten, wenn viele Jugendliche kein eigenes Zimmer haben…. Trotzdem bin ich mal gespannt, ob im neuen Jahr eine Vietnamesin da Wort „küssen“ ohne Kicheranfall über die Lippen bekommt.

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Februar 7, 2010

Halbzeitpause

Nachdem ich Viet Nam über Weihnachten und Neujahr verlassen hatte, folgten in der letzten Zeit ein paar sehr vietnamesische Wochen. Vor allem, weil ich mich an den Wochenenden gegen Ha Noi und für Viet Tri und einen Ausflug nach Thai Nguyen mit einer vietnamesischen Freiwilligengruppe entschieden habe.

Sissi kam mich übers Wochenende besuchen und zusammen erkundeten wir auf dem Motorrad (das ich gefahren habe!) Viet Tri. Ihr hat meine Stadt genauso gut gefallen wie Julia Nr. 2, die Sissi abgelöst hat und mich auch einmal in meiner natürlichem Umgebung beobachten wollten.

Das zweite Wochenende in Folge habe ich dann ohne Besuch, dafür mit meiner dänischen Mitbewohnerin und einigen Einladungen verbracht. Das Wochenende, das eigentlich entspannend sein sollte, weil ich mir eine Erkältung eingefangen hatte, wurde alles andere als das und begann mit einem kleinen Schock am Donnerstagabend.

Die Bibliothekarin von Annas Schule hatte uns zu sich nach Hause eingeladen, um uns mit Obst und Süßigkeiten zu verwöhnen. Da sie aber kein Wort Englisch spricht (was ihrer Freundlichkeit aber keinen Abbruch tat), verbrachten wir den Abend im Gespräch mit ihren Söhnen. Das Gespräch verlief gewöhnlich, bis ich das erste Mal mein Vorbereitungsseminar in Deutschland anwenden musste: „ I like Hitler.“ Okay, was hattest du gelernt? Ruhig bleiben, Gründe erfragen, argumentieren. Diese Taktik hat sich auch bewährt, denn ein, zwei Nachfragen haben gereicht, um festzustellen, dass er keine Ahnung hatte und das mehr eine leere Phrase als eine Meinung war. Noch bizarrer wurde das ganze, als er Ho Chi Minh und Hitler miteinander gleichsetzen wollte. Nun gut, Themenwechsel leicht gemacht und schon sprachen wieder über sein Studium in Singapur.

Nach einem Dinner mit Flaschendrehen und Reiswein bei ein paar Freunden am Freitagabend, wurde ich spontan von Co Yen zu einer Hochzeit vom kleinen Bruder des alten Freundes ihres Ehemanns eingeladen. Eigentlich wollte ich nur einen Kaffee mit ihr trinken gehen, um ein paar Fragen zu klären, aber bei der Möglichkeit wollte ich natürlich nicht nein sagen.

So holte sie mich mit ihrem großen Auto am Nachmittag ab und wir fuhren einige Kilometer, bis wir wegen dem tagelangem Regen in Kombination mit den unbefestigten Straßen des Dorfes nicht mehr weiter kamen. Wechsel zum Motorrad und mit sehr viel Rutschen schafften wir es dann doch zur Hochzeit, wo mich wie immer eine Menge interessierter Vietnamesen/-innen, viel Essen und viel Reiswein erwarteten. Aber Co Yen, ganz um mich besorgt, pickte das Fleisch aus meiner Schüssel und schüttete heimlich den Reiswein aus meiner Tasse auf den Boden, so dass ich als Vegetarierin und nicht betrunken, dafür beschenkt mit Grapefruits, für die die Gegend der Hochzeit bekannt ist, nach Hause kehrte. Auch noch im Gepäck waren vier Konzertkarten, die mir Co Yen in die Hand drückte und sagte: „Für morgen Abend, ladt ein paar vietnamesische Freunde ein!“.

Was sich etwas schwierig gestaltete, weil die eine Hälfte krank war und die anderen nicht durften (strenge Eltern…). Schließlich fanden Anna und ich dann aber noch zwei Leute, die weder einen Virus noch strenge Eltern hatten.

Das Konzert, dar geboten von einer Gruppe von 10 Sänger/-innen und Tänzer/-innen, begann mit einem Lied für Onkel Ho und einem großartigen Tanz mit Gewehr und Friedenstaube. Hier scheint das kein Widerspruch zu sein…

Setzte sich fort mit klassichen vietnamesischen Tänzen und Gesang- Anna und ich waren begeistert, unsere vietnamesische Begleitung ist fast vor Langeweile eingeschlafen. Aber bei einem traditionell deutschem Konzert wär es mir wahrscheinlich ähnlich ergangen.

Ein paar Tage Arbeit später und schon stand das nächste Wochenende an. Von einer zufälligen Busbekanntschaft, mit der ich den Kontakt gehalten hatte, um meinen vietnamesischen Freundeskreis auf eine Größe zu erweitern, die den Namen Freundeskreis auch verdient, wurde ich eingeladen, mit einer vietnamesischen Freiwilligenorganisation in das von Ha Noi drei Stunden entfernte Thai Nguyen zu fahren.

Am Freitagabend fand ich mich in einem Bus mit 40 Student/-innen und einer Menge an Spenden wieder, die an diesem Wochenende an die ärmsten Einwohner der Region verteilt werden sollten.

Es kam ein bisschen Bundeskongressgefühl auf, als wir uns in einer Schule zum Schlafen einrichteten. Schlaf wurde an diesem Wochenende auf einem Holzgestell, geteilt mit 20 anderen Mädchen zur Rarität, der Tag begann nämlich auch um eine vietnamesische Uhrzeit- um sechs Uhr morgens. Was war die größte Leistung am Samstag?

Viermal an einem Tag Reis zu essen und es nicht über zu sein? 10 km durch Gebirgsbäche zu wandern? 50 Kinder beschäftigen, die kein Wort Englisch sprechen?

Alles war auf jeden Fall wunderbar!

Vor allem, weil ich das Gefühl hatte, in dem Viet Nam zu sein, das vor meiner Abreise aus Deutschland in meinem Kopf existierte. Die sanften Bergeketten, bedeckt mit satt grünen Wäldern, durchzogen von Tee- und Reisterrassen. Kinder, die barfuß mit selbstgebasteltem Spielzeug auf der Straße spielten, währen die Mutter im Fluss die Kleidung wäscht und der Vater den Ochsenkarren über das Feld zieht.

Das war eine ganz andere Seite von Viet Nam, als ich sie bereits kennen gelernt hatte- eine einfache, leider auch oft zu ärmliche Art zu leben. Zwar naturverbunden und autark. Aber die Großmütter beklagten sich über Krankheiten, die sie tagtäglich plagten und gegen die sie keine Medizin hatten, die Kinder können nicht immer zur Schule und wenn sie gehen, gehen sie bis zu fünf km bis sie im Klassenraum ankommen.

Wir mussten diese Strecke nur einmal hin- und zurücklaufen. Da es die Woche vorher so gut wie durchgängig geregnet hatte, waren die Straßen schlammig, wenn nicht gar von klarem, kaltem Wasser überflutet, so dass meine Schuhe bald nass waren und ich ohne sie weiter ging.

Die Häuser der Familien, die wir besuchten, waren das Gegenteil von den Disney-Bauten in Viet Tri: Einfach aus Lehm, Holz und Wellblech zusammen gezimmerte Hütten, in denen drei Generationen in einem Bett schliefen. Ihnen Essen und Kleidung zu bringen war für mich eine neue und vor allem nützlich erscheinende, da direkt helfende, Art der Freiwilligenarbeit.

Am Nachmittag bereitete die eine Hälfte unserer Freiwilligengruppe das abendliche Konzert für das Dorf vor, während die anderen mit den Kinder spielten.

Ich stand ein wenig nutzlos rum, bis ich anfing, mit den Kinder um mich herum zu singen und zu tanzen. Es war egal, dass ich nur wenige Worte ihrer Sprache konnte und sie nur „hello“ in Englisch- wir haben uns irgendwie verständigt und schon hatte ich einen Haufen neuer kleiner Freundinnen, die ich irgendwie vermisse…

Das Konzert abends war auch ein voller Erfolg, den ich mit meinen neuen Freundinnen an der Hand als Zuschauerin begleitete.

Ein kleines Konzert gab es auch nach dem Aufräumen- alle im Kreis, Gitarre raus. In dem Moment dachte ich, ich könnte gerade genauso gut in Deutschland sein. Nur dass wir Reiswein statt Bier tranken und auf Reisstrohmatten statt Decken saßen- ansonsten verschwammen in diesem Moment die kulturellen Unterschiede.

Für mich war es erstaunlich, wie anders (westlicher?) Student/-innen aus Ha Noi zu denen in Viet Tri sind- sie sind Westler gewöhnt, ich bin das erste Mal seit langem in einer Gruppe „unter gegangen“, sie sprechen freimütig von Ex-Freunden und tragen in unserem Sinne modisch zusammen passende Kleidung.

Die Offenheit, die Vietnames/-innen auszeichnet, besaßen sie aber auch, so dass ich Einladungen für die Tet-Feiertage entgegen nehmen konnte.

Sonntag, natürlich wieder um sechs aufgestanden, ging es in eine andere Schule, um wiederum mit den Kindern zu singen, zu tanzen und Süßigkeiten zu essen.

Einige andere reparierten in der selben Zeit das Haus einer Familie, nicht weit weg von der Schule, damit der kalte Wind des Winters nicht mehr so leicht durch die Löcher in den Wänden dringen konnte.

Der Abschied war überraschend traurig. Die Lehrerinnen, die sich das Wochenende über um uns gekümmert hatten, konnten die Tränen nicht zurück halten, da sie meinten, die Kinder seien noch nie so glücklich gewesen.

Das ist wirkliche Freiwilligenarbeit!? Nach dem Wochenende musste ich mich erst einmal wieder daran erinnern, dass meine ganze Arbeit unter der Woche ja auch Freiwilligenarbeit ist.

Das nächste Wochenende geht es für mich Richtung Süden nach Hoi An. Es sind jetzt zwei Wochen Ferien, weil Tet, Neujahr nach dem Mondkalender und das wichtigste Fest in Viet Nam, ist.

Die werde ich dann hoffentlich auch größtenteils in Viet Tri verbringen mit noch mehr vietnamesischen Erlebnissen.

Denn jetzt ist Halbzeit, jetzt sind sechs Monate um, ab jetzt läuft die Uhr rückwärts und ich weiß im Moment nur, dass ich mich auf die nächsten sechs Monate freue, dass ich meine Zeit hier weiter genießen werde, weil ich mich hier zu Hause fühle, trotz aller Zwischenfälle, die einem nur als Tay passieren können.

Ich lerne immer mehr über das Land, blicke viel mehr unter die Oberfläche. Sehe da, dass nicht alles perfekt ist, nicht alles nur glücklich und gut gelaunt. Doch gerade das macht Viet Nam nur noch interessanter.

Z.B. die Ehen. Die Scheidungsrate liegt bei um die 5%, scheint hier doch ein wunderbares Familienleben zu geben. Nach ein paar Monaten weiß ich nun, dass es daran liegt, dass es gesellschaftlich akzpetiert ist, dass der Mann so viel fremd gehen kann, wie er will.

Die Frau nicht. Wobei wir dann auch wieder an dem Punkt sind, dass die anfangs von mir als positiv beschriebene Gleichberechtigung doch noch nicht überall so weit ist.

Die Kinder müssen nicht für ihre Schulbildung bezahlen- sowie es auf die Uni geht, sieht es anders aus, hier tritt eine gesellschaftliche Schere zu tage.

Es gibt auch Privatschulen, auf der die Kinder der reichen Eltern bessere Abschlüsse erreichen, als auf den staatlichen Schulen.

Trotz Nationalhymnengesang und Fahnen überall in den Straßen, möchte kaum ein Vietnames zugeben, sein Land wirklich zu mögen.

Diese ganzen Widersprüche machen mich neugierig auf meine zweite Hälfte in Onkel Hos Reich.

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Januar 16, 2010

Grenzerfahrungen

Laos

Der Bus, das Taxi, das Flugzeug und ich bin da. Laos! Endlich wird mein Fernweh gestillt. Ein neues Stückchen Welt, was hier vor mir liegt und nur darauf wartet, erkundet zu werden. Ist dieses Land ein bisschen wie mein neues Zuhause im Osten? Ist Vientiane wie Ha Noi?

Fünf Tage Zeit um eine Antwort zu finden.

Es ist warm. In Ha Noi war es kalt. Der Taxifahrer spricht perfektes Englisch und kommentiert jeden Satz mit einem „Ah, I see“ und einem fröhlichen „hahaha“.

Der Lonely Planet bringt mich zu meiner Unterkunft- das Zimmer sieht zwar ein bisschen nach Gefängnis aus (Metallbett, ein Tisch, kleines Fenster mit Gitterstäben davor), aber es ist sauber und günstig und mehr als schlafen will ich hier drin sowieso nicht.

Am nächsten Morgen trete ich aus meiner Herberge, blinzele gegen die Sonne an, die ich schon vermisst hatte, da sie in Viet Nam dem Winter platz gemacht hatte.

Mein erster Blick fällt auf den Tempel gegenüber. Aber wie ich später merke ist es schwer, seinen Blick schweifen zu lassen, ohne dass mensch einen Tempel erblickt. Smoke-free Tempel natürlich, Laos scheint die Zigarettenindustrie zu bekämpfen, überall Plakate gegen die Blattmedizin.

Mein Gasthaus ist im Zentrum von Vientiane. Das heißt nicht viel. Denn Vientiane ist klein, ruhig und leer. Sehr erholsam, weil ich mir die ganze Stadt erlaufen kann.

Also laufe ich ziellos durch die breiten, von wenig Verkehr befahrenen Straßen, um alles auf mich wirken zu lassen: Touris, Tempel, Tuk-Tuks. Tuk-Tuks sind dreirädrige motorrosierte Fahrzeuge, die hier quasi als öffentliche Verkehrsmittel verkehren.

Darf ich auf die Gelände der Tempel? Ich versuch mein Glück und werde von den dort lebenden Mönchen mit einem Lächeln begrüßt. Bei Buddha bin ich also willkommen. Auch wenn alle Tempel ähnlich aussehen, kriege ich nicht genug davon mir die farbenfrohen Giebel anzusehen, die großen goldenen Statuen, die Drachenköpfe, die die Eingänge bewachen, die orangenen Baumwollsachen der Mönche, die zum Trocknen über den Bäumen hängen.

Das hier ist wie im Buch… Denke ich vor allem, als ich meinen ersten überdimensionalen schlafenden Buddha sehe. Einen Tag habe ich mich in den Bus gesetzt, der genauso überfüllt wie in Vietnam, um zum Buddha-Park zu fahren. Eine Rasenfläche am Ufer des Mekongs, auf der unzählige Steinfiguren stehen und eine Religion widerspiegeln, über die ich viel zu wenig weiß…

Fast häufiger als die Steinfiguren sind die deutschen Touristen. Warum sind überall, wo ich hingehe, deutsche Touristen? Wie froh ich bin, dass die ganzen anderen Reisenden vom Rest der Welt kein Deutsch sprechen und somit nicht mit anhören müssen, was die Deutschen von sich geben.

Ein Pärchen steht vor einer riesigen Kugel, die begehbar ist und in der weitere zahlreiche Buddhas sind. Er: „Ja… schon witzig, ne?“ Sie: „Ja… schon schön…“. Drehen sich um und gesellen sich zu ihrer Gruppe, in der eine Frau gerade den Reiseleiter zuschwallt über Heuschreckenplagen in Afrika, nach dem dieser von einer buddhistischen Legende über eine Heuschrecke erzählt hatte. Nein, ich gehöre nicht dazu…

In den nächsten Tagen besuche ich noch den ältesten Tempel Vientianes (Eintritt für Laot/-innen frei, alle anderen 10.000 Kip), das Museum zur Nationalen Geschichte (an die Wand geklatschte Schwarz-Weiß-Kopien, auf der sehr viel über die „US-Imperialists“ und ihre Soldaten, ihre „Puppets“ steht), das Revolutionsdenkmal und das Wahrzeichen Laos´: Der goldene Stupa. Nein, hier gibt es kein goldenes Studierendenparlament- ein Stupa ist eine buddhistische Grabstätte.

Einen Tag gerate ich durch Zufall auch noch in eine Wohngegend und hier wird offensichtlich, was sich mir in den letzten Tages schon aufgedrängt hatte: Das Wirtschaftswachstum ist hier längst nicht so groß wie die 8% in Viet Nam. Die Armut zeigt sich in einfach zusammen gehämmerten Holzhütten und unbefestigten Straßen. Trotzdem lächeln die Menschen mich an, ich bin wohl eine der wenigen Westler, die sich hierher verirrt.

So gehe ich am Mekong entlang, vorbei an Straßen- und Verkehrsschildern, die auf Laotisch und Französisch beschriftet sind, alte Überreste der Kolonialzeit. Und ich blicke hinüber zum anderen Flussufer, wo Thailands Bäume gen Himmel wachsen und ich denke: „Übermorgen bin ich in Thailand!“.

 

Viet Nam

 

Eine Nacht habe ich Ha Noi, zwischen Laos und Thailand. Die Nacht vom 23.12. auf den 24.12. ist warm. So mache ich mich bei 20 Grad auf den Weg, die Weihnachtsgeschenke für meine Thailandmitreisenden so kurzfristig zu kaufen, wie ich es vorher noch nie geschafft habe. Doch ich kenne die Straßen des alten Viertels mittlerweile gut genug, um ohne Umwege von Laden zu Laden, von Geschenk zu Geschenk zu laufen und nach einer Stunde fertig zu sein.

Was fang ich jetzt noch mit diesem Abend an?

Vor der Kathedrale bleibe ich stehen und betrachte das unglaubliche Treiben um mich herum. Unzählige Vietnames/-innen pilgern an diesem Abend zu St. Joseph, um Weihnachten ihre Ehre zu erweisen. Der Vorplatz ist überfüllt von Menschen und Motorrädern, der Weihnachtsbaum ragt hoch über alle auf. Weihnachtsmusik liegt in der Luft? Woher kommt das „joy to the world“? Ich folge den Stimmen und lande auf einem Weihnachtskonzert, einem kleinen aber feinen, sehr vietnamesischen Weihnachtskonzert. Mit Trockeneis, Technobeats unter „Mary´s Boy Child“ und kitschigen Lichtern überall.

Weihnachtsstimmung überfällt mich und ich bleibe dort und höre zu, bis das Krippenspiel auf vietnamesisch beginnt.

Ich schaue mir die Krippe an, die gegenüber in einen taoistischen Tempel hineingebaut ist und gehe dann ins Bett.

Thailand

Am nächsten Morgen sammeln mich Frido und Stefan mit dem Taxi ein, beide verschlafen, aber beide mit Weihnachtsmannmützen auf dem Kopf und „Santa Clause is coming to town“ auf den Lippen. Am Westsee stoßen auch noch Julia, Judith und Amelie zu uns und los geht es zum Flughafen. Es ist der 24.12. und am Flughafen äußert sich das in Weihnachtsmusik, die über die Gänge schallt. Auch im Flugzeug läuft Weihnachtsmusik. Ansonsten scheint es Asien egal zu sein, dass Jesus heute vor 2009 Jahren geboren wurde.

Weder in Bangkok, noch auf der Busfahrt zu unserem Ziel, der Insel Koh Chang, sehen wir Weihnachtsmänner, Elche, Engel oder sonstige Hinweise, dass heute ein besonderer Tag ist. Die einzigen rot-weißen Flecken sind weiterhin Fridos und Stefans Weihnachtsmannmützen.

Der 24.12. besteht für mich darin, dass ich das erste Mal seit vier Monaten ein Shoppincenter sehe, ein McDonald´s und eine Straße, auf der mehr Autos als Motorräder fahren.

Wir fahren an diesem Tag außerdem 7 Stunden Bus, um dann eine Nacht in der Hafenstadt Trad übernachten und abends mit thailändischem Bier anstoßen. Die Fähre fährt erst am nächsten Morgen.

Doch der lange Weg hat sich gelohnt, auch wenn ich zwischendurch an die Toten Hosen denken mussten- „ich will nicht ins Paradies, wenn der Weg dorthin so schwierig ist“. Aber der weiße, vor allem touristenfreie, Sandstrand, das türkisblaue Wasser, die Palmen, die von Regenwäldern bedeckten Berge entschädigen dafür.

Entspannung pur. Schwimmen gehen im warmen salzigen Wasser, nur unterbrochen vom großartigen thailändischen Essen. In Zweierbungalows schlafen wir abends so gut wie schon lange nicht mehr.

Sommer, Sonne, Sonnenschein zu Weihnachten- ein Wunsch ist in Erfüllung gegangen.

Ein paar andere Backpacker sind auch an unserem Strand in den Bungalows und ein paar Thais, die hier arbeiten. Wiederum etwas, das ich seit vier Monaten nicht gesehen habe: Asiatische Menschen mit Tattoos, Piercings und langen Haaren. Lang lebe die Individualität! Gut Gitarre spielen können sie auch, die Musik begleitet fast jeden Abend den Sonnenuntergang.

Mit neu gewonner Energie und schweren Herzens verabschieden wir uns nach wenigen Tagen von Koh Chang in Richtung Bangkok, in Richtung Jahr 2010.

Bangkok ist… eine Großstadt. Und Julia ist glücklich und die anderen sagen nur: „Ah, schon klar, das Großstadtkind hat ihre Großstadt vermisst“. Damit haben sie Recht. Anders kann ich mir mein Glücksgefühl beim Anblick eines Fahrkartenautomaten nicht erklären.

Bangkok ist aber nicht nur eine Großstadt, Bangkok ist eine sehr stark westlich geprägte, mulikulturelle Großstadt. Die Skytrain, die Shopping Center, die Wolkenkratzer, die modisch gekleideten Jugendlichen.

Doch Asien ist hier noch nicht verloren, immer noch prägen Tempel das Stadtbild, Straßenimbisse und Märkte gehören auch zum Straßenleben. Zwischen diesem Clash Chinatown und Little Arabia, die wiederum ihr ganz eigenes Universum sind.

Wir arbeiten das gröbste Touriprogramm gleich am ersten Tag ab- Bootsfahrt, der Königspalast (es ist unglaublich, überdimensionale Bilder vom König und der Königin, sind wirklich überall an den Straßenrändern zu finden), Wat Pho mit seinem riesigen, schlafendem, goldenen Buddha. Abends die Khao San Road, die Straße, in der 80% der Touristen schlafen, einkaufen und vor allem feiern. Die andere Julia und ich finden durch Zufall eine Bar, in der Kim, ein in New-York-geborener Musik mit asiatischen Eltern und einer wunderbaren Stimme, Gitarre spielt. Das erste Mal gute Musik, das erste Mal Livemusik seit August.

Dann ist Silvester da und wir entscheiden uns, zur großen Countdownparty am Siam-Square zu gehen. Wir erwarten eine große, fröhliche Party mit viel Feuerwerk. Hm…

Also zunächst mal zählen die Thais um uns rum den Countdown auf thailändisch, so dass wir nichts verstehen und 2010 ein bisschen überraschend kommt. Dann gibt es zwei Raketen und alle strömen zurück zur Skytrain. Das war´s. Das war´s?

Wir versuchen unser Glück auf der Khao San Road doch irgendwie… Silvester in Bangkok, weniger spektakulär als erwartet.

Die nächsten Tage lassen wir ruhig angehen, gehen einkaufen, entspannen im Park, verbringen Stunden in einem englischen Buchladen.

Ich hab Bangkok in mein Herz geschlossen und weiß, dass ich hier nicht zum letzten Mal war.

Vietnam

 

Zurück in der Heimat, zurück in der Kälte (12 Grad fühlen sich gleich viel kälter an, wenn es nicht nur draußen, sondern auch in deinem Zimmer 12 Grad sind).

Bevor ich aber wieder nach Viet Tri fuhr, ging es noch für eine Woche nach Giao Xuan. Ein Ort im Nirgendwo, 100 km südlich von Ha Noi, in der unser Halbzeitseminar stattfand.

Dieses Gefühl, auf der mid-term-evaluation zu sitzen… krass. Auch wenn es noch nicht ganz die Hälfte der Zeit war- krass.

Irgendwo im Nirgendwo traf sich also unsere Selbsthilfegruppe und sprach Stunde um Stunde über unsere Probleme in den Projekten (ich verweise hier auf Fridos Blog) und wenn wir das nicht taten, spielten wir Billard.

Da meine Probleme in Viet Tri nicht gerade groß oder zahlreich sind, habe ich mich eher gelangweilt, aber ab und zu hörte ich dann doch auf, wenn die ein oder andere neue Schreckensnachricht mich erreichte.

Es ist schon krass, dass der Boss von VPV Frauen in Sitzungen nicht direkt antwortet, sondern sich an einen männlichen Kollegen wendet.

Noch mehr Neuigkeiten gab es, als wir wieder zurück in Ha Noi waren.

Ein paar von euch haben vielleicht den Artikel in der Berliner Zeitung gelesen- die Wirtschaftskrise hat auch Viet Nam erreicht, jetzt ist die Zeit der Hardliner in der Kommunistischen Partei gekommen. Facebook und andere Internetseiten wurden gesperrt, staatliche Preiskontrollen sind im Gespräch, die Präsenz der Polizei auf der Straße ist drastisch gestiegen. Die Preise der Visa haben sich verdreifacht. Alle Telefonnummern müssen registriert werden.

Am Anfang hat mir das meine Rückkehr aus dem Urlaub etwas vermiest, aber jetzt bin ich schon wieder guter Dinge, da ich mich gefreut hab, meine Schüler/-innen und Freund/-innen wieder zu sehen und andersherum auch.

Thoa ist schwanger und nächste Woche bekomme ich zwei neue deutsche Mitbewohner, die für ein Jahr bleiben.

Meine nächste Reise für Februar ist schon in Planung und ich habe einen vietnamesischen Freiwilligen kennen gelernt, der mich in den nächsten Wochen mit zu seiner Gruppe nehmen will, so dass ich dort an den Wochenenden vielleicht ein wenig mitarbeiten kann.

Auf jede schlechte Nachricht folgt auch eine gute.

Und der August rückt gefühlt viel zu schnell näher…

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