Verfasst von: juliagoesweltwaerts | Mai 21, 2010

Singapur

Das erste, was Sissi, Milli und ich sehen, als wir uns mit der Bahn (!) auf den Weg in die Innenstadt machen, ist DHL. Das zweite Deutsche Bahn AG. Das dritte Plattenbauten, die mich mit den kleinen dazwischen liegenden Wiesen stark an Berlin erinnern. Was nicht besser wird, als moderne Glasbürobauten vor dem Fenster vorbei rauschen.

Was uns dann doch daran erinnert, dass wir in Singapur sind, ist das Sprachengewirr und die Warnschilder: Englisch, Chinesisch (meist Mandarin, aber Kantonesisch mischt sich auch gelegentlich unter), Malay und Tamil. Vier offizielle Sprachen für die größten ethnischen Gruppen.  Auch visuell wird der culture clash erkennbar: Saris neben Anzuegen neben Kopftuechern neben Turbanen neben Jeans neben Miniroecken neben Ho Chi Minh-T-Shirts.

In der Stadt selbst gibt es Chinatown, little India und das Viertel um die Arab Street. Zusammengehalten wird alles aber von der westlichen Welt. Singapur scheint in weiten Teilen, vor allem um den Hafen, wie eine asiatische und sauberere Version der USA.

Die polierten Fenster der Hochhaueser, an denen sich Namen wie J.P.Morgan wieder finden. Coffee Shops, Fastfoodketten, die in der Mittagspause ueberfuellt von Maennern in Anzuegen und von Frauen in Stiftrock, weisser Bluse und High Heels sind.

Das Herz der Stadt ist das Herz des Kommerzes. Auf der Orchard Road reiht sich ein Shopping Center and das naechste und alle zwei Centers wiederholen sich die Laeden, doch die Einkauefer rennen von eins ins andere, uebrall ist etwas los, ueberall wird kosnumiert.

Chanel, Topshop und Zara sind ziemliche Schocks, wenn man gerade aus Viet Nam kommt, wo mensch sich neue Kleidung entweder auf dem Markt holt oder bei der Schneiderin machen laesst…. Doch ein gutes hat das ganze auch: Es gibt Kleidung und vor allem Schuhe, die uns passen. Endlich wir mensch nicht komisch angeschaut, wenn man fragt, ob es das Paar auch in 40 gibt… Dafuer sind die Preise ordentlich. Ganz an Deutschland herangekommen sind sie nicht nicht ueberall, aber  in der Mittagspause vermiss ich dann schon mein Klebreis oder belegtes Broetchen fuer umgrechnet 20 cent.

Was in Singapur allerdings unschlagbar teuer ist, sind die Strafen. Strafen fuer so ziemlich alles-Strafe fuer Muell auf die Strass werfen (was in Vietnam das normalste der Welt ist, erstmal trainieren, das nicht zu tun), fuer Essen und Trinken in der Bahn, fuer Rauchen. Ueberall erinnern einen kleine Schilder daran, wie man sich gefaelligst zu verhalten hat. Am besten gefaell tuns das Verbot, Durians in oeffentliche Raume hineinzubringen. Welches andere Land der Welt hat schon ein offizielles Durianproblem? In Viet Nam gelten die stinkenden Fruechte sogar als Delikatesse.

Im Gegenzug ist Singapur die sauberste Stadt der Welt. Und Die Menschen sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Was sie wahrscheinlich einfach sein muessen, wenn sie jeden tag von verschiedenen Kulturen umringt sind.

Drei Attraktionen der Stadt ins ein Tempel, der zur Verehrung eines Buddhazahns dient, einen hinduistischen Tempel und eine Moschee, in der jeder interssierte Besucher herumgefuerht wird und die Anwesenden mit Fragen loechern darf. So erfahren wir, dass es seit den 60er Jahren, als Singapur unabhaengig wurde, keine Konflikte mehr zwischen ethnischen oder religioesen Gruppen gab. Es scheint das Normalste der Welt zu sein, dass sich ein Maedchen mit kurzen Hosen und eine fast komplett verschleierte Frau in der U-Bahn unterhalten und zusammen lachen. Doch groessere Gruppen sind nur selten ethnisch gemixt, meist sind Chinesen mit Chinesen unterwegs, Indern mit Indern.

An der Station Chinatown steigen vor allem die Menschen mit Mandelaugen aus, in little India die mit dunkler Haut und rotem Punkt auf der Stirn.

Dier Weissen haben wir auch schnell gefunden, als wir von der Orchard Road durch ein Villenviertel zum botanischen Garten laufen, einer der Hauptattraktionen der Stadt, der mitten in der Stadt ein Stuecken Regenwald zum Erholen bereithaelt.

Weisse Frauen, zum Grossteil entweder gut geschminkt oder sportlich gekleidet, verbringen dort miteinander den Vormittag beim Brunchen. Wahrscheinlich sind die Maenner derweilen im Buero und die Malayischen Nannies kuemmern sich um die Kinder… Als wir an einer Villa vorbeikommen, die aussieht wie das weisse Haus, komm ich mir vor, wie in einem wahr gewordenen Klischee.

Der Hoehepunkt unserer Reise ist aber chinesisch und wohnt in einem der stadtraendtlichen Plattenbauten- Ziqi. Ziqi war Freiwilliger, als wir letztes Jahr im August im Peace House ankamen und wir mit einem anderen Daenen, der Ziqi zwei Wochen vorher besucht hatte, unsere erste Bezugsperson, unser erstes freundschaftliches Verhaeltnis. Und nun waren wir in seiner Stadt und er erklaerte sich bereit, uns ein paar kulinarische Besonderheiten zu zeigen.

An einem Abend ging es in ein idisches Restaurant. Und zwar wirklich indisch, nicht der Verschnitt von der Warschauer Strasse. Mit Haenden von Bananenblattern essen und den gruenen Tee mit Milch und Zucker serviert bekommen. Die Kellner gehen durch die Tische und fuellen die Bananenblatter mit Sosse nach, die man irgendwie dazu kriegen musste, sich mit dem Reis so zu vermengen, dass sie nicht auf dem Bananenblatt oder deiner Hand bleibt.

Selten so gut gegessen. Dachte ich, bis wir am letzten Abend in einem kleinen Imbiss Platzt nahmen und Laksa assen. Laksa; Nudeln, die von ihrer Konsistenz her an Spaetzle erinnern, in Currysuppe. Unglaublich gut. Danke Malaysia fuer dieses Essen. Wenn jemand von euch ein malayischen Restaurant in Berlin kennt, bitte bescheid sagen.

Letzter Abend hiess zum zweiten Mal Abschied nehmen von Ziqi, diesmal trauriger als das erste Mal, aber, wer weiss vielleicht sehen wir uns irgendwann mal in Deutschland wieder.

Den letzten Morgen verbrachten Millia, Sisssi und ich getrennt, jede tat noch mal, was sie wollte. Ich machte mich erst auf den Weg ins National Museum of Singapore, um mein Wissen ueber dieses Land von null auf irgendetwas ueber null zu steigern und machte mich dann auf die Suche, nach einem Copyshop, um meine Visabestaetigung auszudrucken

Der tropische Regen stoerte mich im Museum noch nicht, beim durch die Strassen laufen wurde es dann ziemlich nass doch zum Glueck ist es in Singapur ganzjaehrlich fast nie kaelter als 30 Grad, so dass ich nicht Gefahr lief, mir eine Erkaeltung zu holen.

Als ich Ziqi an unserem erste Abend fragte, wie das Wetter die naechsten Tage sein wurde, antwortete er:“So wie jeden Tag im Jahr“. Ich glaube, mir wuerden die Jahreszeiten fehlen… Und die vietnamesischen StudentInnen, die es zahlreich in Singapur gibt, bekommen im Winter, wenn sie zu Tet nach Hause fahren bestimmt einen Kaelteschock und in den Sommerferien eine nette Ueberraschung von der Hitze.

Es ist gerade erst mai, trotzdem geht ohne Ventilator schon wieder gar nichts. Was wir vor allem gemerkt hatten, als wir den Tag ohne Strom regungslos auf der Matratze liegend verbracht haben…

Wie ihr seht, wir drei sind wieder da, haben unser neues Visum. Auf den letzten Visarun, auf Singapur, auf Viet Nam..

Advertisements

Responses

  1. Hallo geliebte Tochter, Schwester, „Schwägerin“ – Danke für die schönen Tage. Besonders für Deinen veralteten Vater war die gemeinsame Zeit sehr wichtig und wie immer, sehr interessant. Vietnam ist für mich auch ein Beweis dafür – die Chaostheorie – Tohu wabohu – stimmt. Die Hauptstadt Hanoi, die Provinz Viet Tri und der Urlaubsort Cat Ba, ein gelungener Querschnitt. Die Freundlichkeit, mit der viele Menschen uns in Vietnam begrüßten, ist sicher auch auf Deine gute Arbeit dort zurückzuführen. Sie beinhaltet Einfühlungsvermögen, also auch mal Deinem Vater den Hinweis zu geben, sich etwas zurück zuhalten, sich eben nicht ‚typisch Tay‘ zu verhalten und Dein Bemühen die vietnamesische Sprache zu lernen.
    Mir war wichtig, in der kurzen Zeit unter den gleichen Bedingungen zu leben, wie du ein ganzes Jahr lang. – So z. B. in Viet Tri auf dem Fußboden, nur mit einer dünnen Matratze, schlafen, in einem Zimmer ohne Tisch, Stuhl und Schrank. In Hanoi mit dem ständigen Geräuschpegel wie an einer Motorradrennstrecke plus ständigem Hupen zu leben. Bei bedecktem Himmel bzw. regnerischem Wetter trocknen die Klamotten nicht, Wäsche waschen hilft da auch nicht immer. In Cat Ba auf sein Wunschessen zu warten, da gerade Stromsperre ist und das Essen nicht zubereitet werden kann. Aber dies alles ist nachrangig.
    Sehr froh war ich über Deine Betreuung u.a. durch Thoa und die Englischlehrerinnen der high school (wir wurden alle von ihnen zu einem vietnamesischen Abendessen eingeladen) und auch die Freude Deiner Kinder im SOS-Kinderdorf, Dich zu sehen. So war ich sogar nachträglich beruhigt. An alle Cam on!!!

    Ich kann sagen, ich freue mich schon auf die nächste Tour.

    73 und 88 Papa


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: